Städte und Landkreise

Brandenburg: margravate, or mark, then an electorate of the Holy Roman Empire, located in the northeastern lowlands of Germany; it was the nucleus of the dynastic power on which the kingdom of Prussia was founded. After World War I it was a province of the Land (state) of Prussia in Germany.

After World War II Brandenburg west of the Oder River was constituted as a separate Land on the dissolution of Prussia. In 1952 Brandenburg's old administrative identity was lost when the East German Länder were dissolved into new Bezirke (districts), but the Land of Brandenburg was re-created in 1990 prior to the reunification of East with West Germany.


Barnim

  • Landkreis im Nordosten Brandenburgs
  • Fläche: 1.494 km²
  • Einwohner: 171.490 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: BAR

Städte und Gemeinden:

[Eberswalde] (Kreisstadt), [Bernau]


Bernau

Bundesland: Brandenburg Kreis: Barnim
(Kfz-Kennzeichen: BAR)
Postleitzahl: 16321 Vorwahl: 03338
Fläche: 9.433 ha Höhe: 80 m über NN
Ortsteile: Birkholz, Birkholzaue, Börnicke, Ladeburg, Lobetal, Schönow, Waldfrieden
Lage: im Nordosten von Berlin, 25 km bis zum Alexanderplatz
Verkehrsanbindung

* Autobahn A 10 (Berliner Ring),
A 11 (Prenzlau mit Abfahrt Bernau-Süd und -Nord),
B2 (Berlin-Stettin)
* Fernbahnhof, (Strecke Berlin-Stralsund)
S-Bahn (S2) Bernau - Lichtenrade
Regionalbahn RB 60
Regionalexpress RE 3

Einwohner : 36.000

Partnerstädte:

* Champigny sur Marne
(Frankreich, Vorort von Paris)
* Meckenheim
(Nordrhein-Westfalen, in der Nähe von Bonn)
* Skwierzyna
(Polen, 60 km östlich von Küstrin)

Die Stadt Bernau bei Berlin ist Mitglied in der Vereinigung der
Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition.

Sehenswürdigkeiten:
Deserteurdenkmal, Steintor mit Hungerturm, Henkerhaus (Heimatmuseum), Feldsteinstadtmauer mit historischen Wallanlagen, St.-Marien-Kirche, St.-Georgen-Hospital, Kantorhaus, Herz-Jesu-Kirche, Jugendtreff Dosto

Auskünfte über:
Stadt Bernau bei Berlin, Fremdenverkehrsamt
Bürgermeisterstraße 4
16321 Bernau bei Berlin
Telefon: 0 33 38 / 76 19 19 oder
Fax: 0 33 38 / 76 19 70


Konrad Wolf und Bernau

Konrad Wolf und Bernau


In der Riege der Bernauer Ehrenbürger findet sich unter anderen Konrad Wolf.
Heute sind noch seine Filme „Ich war 19“ (mit Jaecki Schwarz) und „Solo Sunny“ bekannt. Die HFF (Hochschule für Funk und Fernsehen Potsdam) trägt seit 1985 den Ehrennamen „Konrad Wolf“ .

Die Verbindung zu Bernau kommt durch seinen Film „Ich war 19“ zustande.
Hier behandelt er die Befreiung Bernaus vom Nationalsozialismus. Konrad Wolf kämpfte in der roten Armee und wurde nach der Befreiung Bernaus mit 19 Jahren für zwei Tage Stadtkommandant.
Einige Szenen des Films wurden in Bernau gedreht.


Nach seiner Zeit als Stadtkommandant und erst recht nach dem Dreh von "Ich war 19" hielt Konrad Wolf engen Kontakt zur Stadt Bernau. Besuche bei den Jungen Pionieren, Gespräche mit der FDJ, im Schichtpressstoffwerk (SPW) trug eine Brigade den Ehrentitel "Konrad Wolf".

Konrad Wolf war bei den Bernauern beliebt und geehrt.

Eine Gedenktafel an der ehemaligen Kommandantur ist während der Wende "verschwunden", aber im Stadtpark erinnert noch eine Stele und ein Relief an den Künstler.




Ein kurzer Lebenslauf

Konrad Wolf (*20.10.1925, +7.3.1982) Filmregisseur, Präsident der Akademie der Künste

Konrad Wolf wird in Hechingen (Württemberg) als Sohn des Arzts und Schriftstellers Friedrich Wolf? geboren, sein Bruder ist Markus Wolf.

1933 emigriert die Familie zunächst in die Schweiz und nach Frankreich und gelangt Ende 1934 nach Moskau.

Bis 1937 besucht Konrad Wolf wie viele Emigrantenkinder die Karl-Liebknecht-Schule; 1936 nimmt die gesamte Familie die sowjetische Staatsbürgerschaft an, ab 1938 besucht Konrad Wolf eine russische Schule.

Nach Kriegsbeginn wird er wie viele Deutsche weit in den Osten evakuiert, was eher eine Verbannung war, Anfang 1942 darf er von Alma Ata nach Moskau zurückkehren.

Im Dezember 1942 wird er einberufen und dient in der Roten Armee als Dolmetscher und Übersetzer in der Politischen Abteilung der 47. Armee und macht Aufklärungsarbeit unter deutschen Kriegsgefangenen.


1945 wird er für kurze Zeit erster sowjetischer Stadtkommandant von Bernau (beschrieben in dem Film "Ich war 19") und nimmt dann am Kampf um Berlin teil.


Nach Kriegsende arbeitet er zunächst als Korrespondent der Berliner Zeitung und dann als Kulturreferent in der Informationsabteilung der Sowjetischen Militäradministration Sachsen-Anhalt.

Im Dezember 1946 wird Konrad Wolf als Oberleutnant aus der Sowjetischen Armee entlassen. Bis 1949 arbeitet er im Haus der Kultur der Sowjetunion in Berlin und macht gleichzeitig Abitur an der Abendschule der SMAD in Berlin-Karlshorst. Von 1949 bis 1955 studiert er Regie am Allunionsinstitut für Kinematografie in Moskau. 1951 macht er Regieassistenz bei Joris Ivens, 1952 nimmt er die DDR-Staatsbürgerschaft an und tritt in die SED ein ; 1953 und 1954 arbeitet er als Regie-Assistent bei der DEFA Spielfilm und assistiert unter anderen Kurt Maetzig. Von 1955 bis zu seinem Tod ist er Regisseur bei der DEFA; von 1959-66 ist Konrad Wolf Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst; 1961 wird er Mitglied der Akademie der Künste und von 1965 an deren Präsident; ab 1971 ist er Mitglied der Kulturkommission beim Politbüro der SED,

Am 20.04. 1975 wird anlässlich des 30. Jahrestages der Befreiung Bernaus, Ehrenbürger der Stadt Bernau.

1981 Mitglied des ZK der SED.

1982 stirbt Konrad Wolf in Berlin.

Filmografie:

Busch singt (1981) (TV)

Solo Sunny (1979)

Mama, ich lebe (1976)

Der nackte Mann auf dem Sportplatz (1974)

Sonnensucher (1971)

Goya - oder Der arge Weg der Erkenntnis (1971)

Ich war 19 (1967)

Der kleine Prinz (1966)

Der geteilte Himmel (1964)

Professor Mamlock (1961)

Leute mit Flügeln (1960)

Sterne (1959)

Lissy (1957)

Genesung (1956)

Einmal ist keinmal (1955)




Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Geschichtswerkstatt des bbz Bernau.


Rund um Bernau

Unterwegs in der schönen Bernauer Landschaft kann man/frau auf allerlei Interessantes stossen.


Wo bitte geht´s in die DDR ?

Das zentrale Aufnahmeheim Röntgental (ZAH)

Um das Gelände an der S-Bahn in Zepernick entstanden während der Wende viele Gerüchte: Stasiknast, RAF-Versteck, Schiessanlage, Waffentests...

Heute ist klar: Hier stand das zentrale Aufnahmeheim für Umsiedler, die aus der BRD in die DDR wollten.

Das ehemalige Reichsbahngelände wurde als Hundeschule für Diensthunde, und ab 1979 als Aufnahmeheim genutzt.
Zuerst waren nur 4 Baracken in Nutzung, ab 1985/86 auch ein großes Gebäude „Typ Feierabendheim“. Nebenbei fungierte die Anlage als Notunterbringung für den Katastrophenschutz.
Ab 1989 beherbergte das Gebäude ein Altersheim und die Baracken , in denen vorher die Stasi untergebracht war, eine Förderschule für geistig Behinderte.

Im Aufnahmeheim hielten im Durchschnitt 30-40 Personen auf, bis zu 200 Menschen waren möglich.

Die Motive der Umsiedler waren verschieden: Oft gab es persönliche Gründe, die Familie war in der DDR, Erbschaften, Menschen die in die BRD ausgereist waren und zurückkommen wollten, da sich Hoffnungen nicht erfüllt hatten. Vereinzelt kamen auch vom Sozialismus überzeugte Menschen, um in der DDR zu leben. Die Einreisenden waren größtenteils Deutsche, nach 1989 kamen viele Juden und Palästinenser.

Der Weg des Umsiedlers:


Der Mensch wurde registriert und untergebracht, dabei wurde nach Religion, Kultur und politischen Ansichten sortiert. Längst nicht jeder sollte mit dem anderen in Kontakt kommen.


Untergebracht wurde hauptsächlich in Doppelzimmern.
Danach bestand das Leben im Heim im wesentlichen aus Langeweile und Warten. Das Gelände durfte nicht verlassen werden. Kultur konnte ausgelebt werden, Sport und Freizeitvergnügen wie Grillen waren möglich. Post durfte empfangen, aber nicht gesendet werden. Teilweise durfte aber telefoniert werden.

Die Menschen wurden unterschiedlich behandelt, je nach dem, welcher Hintergrund sie in die DDR geführt hatte.

Oft gab es 2x pro Woche Dia-Vorträge über die DDR, um die Menschen auf ihre neue Heimat vorzubereiten. Fernsehen und Radio gab es natürlich nur als „Stimme der DDR“.

Alle Einreisewilligen wurden während einer Eingangsuntersuchung medizinisch durchleuchtet. Angeblich machte die DDR zu dieser Zeit schon AIDS-Tests.

Mit allen Umsiedlern wurden „Gespräche“ geführt. Gesprächspartner waren dabei Kriminalpolizei (normale Umsiedler) oder die Stasi. Teilweise wurden die Menschen wieder und wieder zu den selben Sachverhalten befragt und mussten ihr gesamtes Vorleben darlegen.

Alle Betroffenen beschrieben diese Gespräche als sehr zermürbend und verunsichernd. Durch die Abschirmung und die Einschränkung entstand ein enormer psychischer Druck auf die Heimbewohner. Dazu kam bis zum letzten Tag die Unsicherheit, ob eine Einreise genehmigt werden würde.

Das Personal wurde von allen als höflich und korrekt beschrieben, fast schon gezwungen freundlich. Auch das Essen war reichlich.

In den Gesprächen mit der Kripo wurde die Identität der Personen überprüft, Rückfragen ins Ausland wurden gestellt. Bei strafrechtlichen Belangen wurde die Person zurückgeschickt. Auch "Asozialen" oder „faulen“ Menschen wurde die Einreise verweigert.

Der MfS befasste sich mit politisch Verfolgten, die Zugehörigkeit zu Parteien wurde überprüft, politische Einstellungen erforscht. Intensiv wurde nach Spionen und Staatsfeinden gefahndet. Immer wieder mussten neue Fragebögen ausgefüllt werden. Allen Betroffenen wurde ein extremes Mißtrauen entgegen gebracht.

Aus Stasiakten ist zu ersehen, daß unter die "Einwanderer" auch Stasispitzel geschleust wurden und das Mißtrauen gerechtfertigt war. Auch die Kripo wusste nicht, wer ein Spitzel der eigenen Stasi war.


Der Aufenthalt dauerte normalerweise zwischen 4-6 Wochen, konnte aber bis zu einem halben Jahr andauern.

Wenn die Aufnahme positiv entschieden wurde, wurden die Menschen in Bezirksheime weitergeleitet, von da aus dann in eigene Wohnungen und an Arbeitsplätze. Mitspracherecht hatten die Einreisenden nicht, Wünsche nach Städten oder Arbeit konnten geäußert werden, waren aber eben nur Wünsche, denen meist nicht entsprochen wurde. Noch lange nach ihrer Ankunft in der DDR wurden die Menschen stark überwacht.

Die Anlage stand ganz im Zeichen des DDR- Sicherheitswahns:

(Aber westdeutsche Aufnahmelager zeigten ähnliche Sicherheitsmaßnahmen.)

Wellblechzaun, Stacheldraht, Überwachungsanlagen, Kameras, kein Ausgang kein Kontakt zu den Angestellten aus Küche und Büro.




Allen wurden Ausweise und Papiere abgenommen. Es kam zu nachweislich zwei Selbstmorden und mehreren Selbstmordversuchen.

Die Anlage unterstand dem Ministerium des Innern, die Rolle der Stasi ist nicht ganz klar.



Klar ist aber: Hier waren keine Terroristen untergebracht, es wurden keine Waffentests durchgeführt. Die vorhandenen Anlagen waren ganz „normale“ Übungsschießtände.

Von 1984 -89 wurden in Röngental :

3637 Personen aufgenommen. Davon waren 1386 Rückkehrer, 1619 BRD-Bürger und 632 Personen aus anderen nichtsozialistischen Staaten.

432 Personen abgewiesen: 12 Rückkehrer, 402 Zuzieher und 18 Personen aus nichtsozialistischen Staaten.




Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Geschichtswerkstatt des bbz Bernau.


Stadtspaziergänge

Bernau ist durchaus sehenswert. Von verschiedensten Seiten.


Spaziergang: Jüdische Spuren in Bernau

Jüdische Spuren in Bernau

Laut einer Sage gründete Albrecht der Bär die Stadt Bernau, weil er hier auf der Jagd in einem Wirtshaus einkehrte und ihm das Bier so gut schmeckte.
Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1140. Zwischen 1300 bis 1320 wurde um Bernau herum eine Stadtmauer errichtet. Durch drei Tore konnte man in die Stadt gelangen.

1. Wir beginnen unseren Rundgang am Steintor.

Die Überlieferungen jüdischer Mitbürger aus dieser Zeit sind spärlich. Eine Geschichte mit umstrittenem Wahrheitsgehalt hat sich erhalten:
Paul Frohm soll um 1510 aus der Kirche des Dorfes Knoblauch zwei heilige Stücke mit Hostien gestohlen haben. Er wurde verfolgt und gestand unter Folter, daß er diese Stücke an Juden verkaufen wollte. Das Geständnis war der Auslöser für die erste Judenverfolgung Brandenburgs. Paul Frohm wurde nachweislich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

200 Jahre später traten erneut Juden in der Stadtgeschichte in Erscheinung.
Vor 1700 lebten 3 jüdische Familien in Bernau. 1737 erhielten die zugezogen Juden Samuel und Jakob Salomon den Status eines Schutzjuden. Dieses Privileg entstand nach teilweise heftigen Ausschreitungen im 12. Jh. Sie wurden als „schutzbedürftige und besonders befriedete Personen“ eingestuft, sie durften keine Waffen mehr tragen, aber ihnen wurde der Schutz des Herrschers zugesagt. Auch der Papst sicherte ihnen 1119 die Freiheit der Religion zu. Für dieses Privileg mussten sie extra Abgaben bezahlen, hatten aber trotzdem nur sehr dürftige Rechte.
Erst 1812 wurden sie in Preußen als mündige Staatsbürger anerkannt, unter der Vorraussetzung, daß sie bürgerliche Namen wie Fließ, Bernau, Steinthal oder Arnheim annahmen.
Ende des 18. Jh. hatten sich mehrere jüdische Familien in Bernau mit Geschäften oder Fabriken etabliert.

Nach vorhanden Seelenlisten waren es 1885 zusammen 29 Personen.

2. Wir gehen weiter in die Brüderstraße.

Früher befand sich hier (auf Höhe des heutigen REWE Marktes) ein sogenanntes Rohproduktgeschäft und eine Pantoffelfabrik der Brüder Friedländer & Löwenthal. An einigen alten Häusern vorbei gehen wir weiter in die

3. Louis- Braille- Straße/ Ecke Brauerstraße.

Hier stand einst der sogenannte Judentempel. Im Haus des Geschäftsmannes Louis Fließ befand sich bis 1892 ein Gebetsraum der jüdischen Einwohner Bernaus, in den Chroniken auch Synagoge genannt. Diese bestand aus einem großem Zimmer, 7,50 lang, 4,50 breit und 2,80 hoch. In der Bernauer Chronik wird auch eine vergitterte Empore für die Frauen beschrieben. Am jüdischen Gottesdienst nahmen die Frauen nicht direkt teil, sondern sahen von der Empore aus zu.
An der östlichen Seite des Raumes befand sich das Allerheiligste, die große und die kleine Thora. Aus der Thora, der Gesetzesrolle, wird beim jüdischen Gottesdienst gelesen.
Die Synagoge war mit Bänken, Pulten, dem Altar und Leuchtern ausgestattet.
Das Haus erwarb Herr Fließ bereits 1778 ebenfalls von einer jüdischen Familie, vom Schutzjuden Moses Salomon.
Ende des 19. Jh. wurde aus der Synagoge eine Werkstatt, da die erforderlichen 10 Männer, die für eine Gemeinde vorgeschrieben sind, nicht mehr in Bernau lebten. Der Gottesdienst wurde dann in Altlandsberg oder Biesenthal abgehalten.
Im 20. Jh. beherbergte das Haus ein Textil- und Spielwarengeschäft. Seine Fensterscheiben wurden in der Reichskristallnacht zerschlagen.
Heute erinnert hier eine Tafel an die Ereignisse. Sie wurde 1997 angebracht.

4. Wir wenden uns in die Rosstraße.

Hier stand vor dem Abriss das erste Bernauer Städtische Krankenhaus. Der jüdische Mediziner Dr. Isaak Pollnow leitete das Krankenhaus. Er wirkte von 1837 bis 1890 in Bernau, einer Zeit in der Pocken , Cholera, Diphterie und die Ruhr die Bevölkerung Bernaus dezimierten. Er erwirkte wesentliche hygienische Maßnahmen. Das Ablassen der Jauche auf die Straße wurde untersagt und
eine Verordnung über Fleischbeschau durchgesetzt.
Isaak Pollnow gehört zu den Ehrenbürgern der Stadt Bernau.

5. Wir gehen zurück in die Brauerstraße.

An der Ecke befand sich einst das Sämereiengeschäft des jüdischen Bürgers Schuster, nebenan wohnte der jüdische Rechtsanwalt und Notar Riegner.
Wir laufen die Brauerstraße entlang bis zum

6. Marktplatz.

Das Rathaus erzählt über Gesetze die in der Zeit von 1933 bis 45 gegen jüdische Mitbewohner durchgesetzt wurden.
Nachdem jüdische Kinder nicht mehr in Bernau zur Schule gehen durften, wurden sie privat unterrichtet.
1933 wurden jüdische Händler vom Wochenmarkt ausgeschlossen.
1935 waren am Ortseingang Schilder „Juden unerwünscht“ angebracht.
1939 waren in Bernau alle jüdischen Geschäfte enteignet.
1941 mussten alle Bernauer Juden einen Judenstern tragen.
Einige jüdische Familien flohen, darunter auch der Baustoffhändler Haase. Das Adressbuch wies 1938 nur noch 5 jüdische Namen aus. Bernauer Juden verschlug es bis Amerika.
Am 13. April 1942 mussten sich die Familien Schuster (mit 3 Kindern), Lehmann (mit 2 Kindern), das Ehepaar Lubinsky, eine Witwe und ihre Tochter sowie Fritz Heymann.
Sie wurden in einem Polizeiauto nach Berlin in ein Sammellager in der Synagoge der Letzowstraße und danach nach Warschau ins Ghetto deportiert.
Über die Familie Lehmann gibt es eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen.
Dazu gehen wir weiter in die

7. Bürgermeisterstraße.

Auf der linken Seite der Straße befand sich das Pelzgeschäft der Familie Lehmann. Im Zuge der Stadtsanierung 1978 wurde auch dieses Haus abgerissen.
Die Lehmanns, zwei Brüder waren praktizierende Christen. Die gesamte Familie Willi Lehmann wurde wie erwähnt nach Warschau ins Ghetto transportiert.
Der Bruder, Eugen Lehmann, organisierte von Bernau aus den Kontakt zur Familie und Lebensmittellieferungen. Mit seiner Unterstützung konnten Willi und seine Frau außerhalb des Ghettos in einer Pelzfabrik arbeiten. Es gelang die Flucht aus dem Ghetto kurz vor dem Aufstand. Die Kinder wurden unter Pelzen versteckt aus dem Ghetto geschmuggelt, kamen bei einer polnischen Arztfamilie unter und wurden dann von der polnischen Frau mit dem Zug nach Berlin gebracht.
Dort überließ die Frau die Kinder sich selbst. Die Kinder baten an der ersten Tür um Hilfe, riefen ihren Onkel in Bernau an und wurden bei Verwandten in Lichtenberg untergebracht.
Dann floh auch Margarete Lehmann aus dem Ghetto. Sie wurde in einem Sommerhäuschen in Wullwinkel nahe Bernau untergebracht und mit Lebensmitteln versorgt. Später ging die Flucht bis ins Erzgebirge weiter. Nahe einem Ort der tschechischen Grenze überlebten die drei bis die Flüchtlingsströme aus dem Osten kamen. Dann meldeten sie sich als Flüchtlinge aus Oberschlesien und erhielten Lebensmittelkarten und Papiere.
Zuletzt floh Willi mit Hilfe eines Eisenbahners nach Neustrelitz und hielt sich dort bis zum Ende des Krieges bei seiner Schwester versteckt.
Nach dem Ende des Krieges fand die Familie in Bernau wieder zusammen, zog in die alte Wohnung ein und lebte bis 1960 in Bernau. Dann verließen sie die DDR.

Wir setzten den Spaziergang durch Straßen fort, in denen früher jüdische Geschäfte das Stadtbild bestimmten.

8. Berlinerstraße.

Hier befand sich in der Nr. 34 das Damenhutgeschäft von Herrn Markus, in der Nr. 31 das Herrenbekleidungsgeschäft von Herrn Heymann und das Kurzwarengeschäft von Herrn Schweriner.

Unsere nächste Station ist das

9. Gericht.

Das Eckhaus gegenüber gehörte dem Chemieabrikanten Moses. Die Fabrik befand sich hinter der Bahn.

Das Amtsgericht als Symbol für die systematische Entwürdigung der jüdischen Bürger und Bürgerinnen Bernaus.
Abraham Löwenthal beantragte am 1.1.1939 die Eintragung des Vornamens Israel. Jüdische Männer und Frauen mussten nach einem Gesetz vom 17.8.1938 die Vornamen Israel, bzw. Sara tragen. Die Eintragung mussten sie selbst beantragen.
Der Bernauer Ernst Koch wurde am 3. Juli 1942 wegen Beschäftigung einer Jüdin, Nichtzugehörigkeit zur Partei und Ablehnung des deutschen Grußes verurteilt. Wegen staatfeindlicher Betätigung verlor er sein Ruhegehalt.

Wir beenden unseren Spaziergang in der

10. Breitscheidstraße.

Am Haus gegenüber des Kulturhofes befand sich bis vor kurzem die Aufschrift „Seidenwarenfabrik“. Hier stand sich die Seidenwarenfabrik des jüdischen Fabrikanten Löwenthal.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Geschichtswerkstatt des bbz Bernau.


Brandenburg

  • Kreisfreie Stadt im Westen Brandenburgs
  • Fläche: 208 km²
  • Einwohner: 76.351 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: BRB

Neonazis in der Stadt Brandenburg

Der 23 Jahre alte Punk Sven Beuter wird am 15. Februar 1996 in Brandenburg/Havel von einem Skinhead so schwer geschlagen und getreten, dass er fünf Tage später stirbt. An dem schmächtigen, schon früher von Skinheads überfallenen Opfer lässt der 21-jährige Täter seinen Hass auf "Zecken" ab, wie Linke und Punks von der rechten Szene genannt werden. Der rechtsextreme Hintergrund der Tat wird von Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft Potsdam acht Monate lang verschwiegen. Das Landgericht Potsdam wertet das Verbrechen nicht als Mord, da dem Täter niedere Beweggründe "nicht mit der nötigen Sicherheit" nachgewiesen werden könnten. Der Skinhead erhält siebeneinhalb Jahre Haft wegen Totschlags.


Cottbus

  • kreisfreie Stadt im Südosten Brandenburgs
  • Fläche: 150 km²
  • Einwohner: 105.954 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: CB

Cottbus (sorbisch: Chosebuz) ist eine kreisfreie Stadt im Südosten des Landes Brandenburg, in der Niederlausitz. Am Fluss Spree gelegen erstreckt sie sich über etwa 150 km². Noch hat Cottbus etwas mehr als 100.000 Einwohner. Mit weiteren Eingemeindungen wird die Stadt auch in den nächsten Jahren als Großstadt gelten können.

Viele Cottbuser sind arbeitslos. Deshalb haben sie viel Zeit und können die Cottbuser Sehenswürdigkeiten und den nahen Spreewald besichtigen. Wenn dann noch Platz in der Tagesplanung ist, gehen die Cottbuser zum Fußball. Energie Cottbus spielt 2003/04 zwar nur noch in der Zweiten Liga, das Stadion der Freundschaft hat aber dafür eine neue Tribüne bekommen. Die ist ganz hübsch. Die Cottbuser Fußballfans sind's nicht ganz so.

Gäste der Stadt können die Einwohner in der freien Wildbahn beobachten. Aber Vorsicht! Cottbuser sind nicht unbedingt zutraulich und Platzwunden nicht ausgeschlossen. Zartbesaitete Mitmenschen sollten eine Stadttour nur mit Ohrstöpseln antreten. Cottbuser reden nicht viel, aber wenn, dann in einem mauligen Tonfall (nicht so schön).

Die Ohrstöpsel machen sich auch prima bei einem abendlichen Besuch im Klub Chekov, einer duften Institution für Krach und gute Laune. Konzertfans finden sicher auch etwas im städtischen Jugendkulturzentrum GladHouse oder im dazugehörigen Klub Südstadt. Wer mehr auf Veranstaltungen steht, wo mit politischem Anspruch geredet wird, kann es mal in der Zelle 79 versuchen. Dort gibt's auch was zu trinken.

Gastronomie

Ein paar ausgewählte gastonomische Lokalitäten für den Gaumengenuss


Deniro

Ein nettes gemütliches italo-amerikanisches Restaurant für die Gaumenfreuden


Kulturelles

Hier eine Übersicht der kulturellen Einrichtungen


The unoptimal Location - Das CHEKOV

1994 starteten eine handvoll Leute mit dem Klub Chekov die (unoptimale) Location für Punk- und Hardcore-Konzerte in Cottbus. Neben den lauten Gitarren werden in dem Klub aber auch immer wieder gern Elektronik, Hip Hop, Reggae und moderne Tanzmusiken zu moderaten Preisen dargeboten.

Das Chekov befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Freibades Strombad.

Anschrift:
Chekov
Stromstraße 14
03046 Cottbus

Aktuelle Termine auf der Website:

http://www.zelle79.info/chekov/


Zelle 79

Das selbstverwaltete Zentrum Zelle 79 befindet sich in Cottbus in der Parzellenstraße 79, was ein lustiger Zufall ist, weil dadurch nämlich der Name des Hauses sehr dem Namen der Straße nebst Hausnummer ähnelt.

Zelle 79 ist Ort eines Jugendbegegnungszentrums, eines Wohnprojekts und weiterer verschiedener Projekte.

Website: http://www.zelle79.info/


Stadtgeschichte


Jüdische Geschichte in Cottbus - Teil I

Die älteste Nachricht über den Aufenthalt von Juden stammt aus dem Jahr 1448. Der Bürgermeister und Rat der Stadt Cottbus baten den Kurfürsten Friedrich II (1412 - 1471) den bereits in der Stadt lebenden Juden Jordan ein Wohnrecht zu ermöglichen. Der Landesherr stellte ihn daraufhin unter seinen Schutz. Dem folgte in den darauffolgenden Jahrzehnten die Ansiedlung weiterer jüdischer Familien. Als es im Jahr 1510 in der osthavelländischen Gemeinde Knoblauch zu einem, Juden unterstellten Hostiendiebstahl kam, waren die auch, mittlerweile zu Sachsen gehörenden Juden der Stadt Cottbus von den Verfolgungen betroffen. All die Juden, die nicht vom Feuertod betroffen waren, mußten den Kreis verlassen. Kurfürst Joachim der II erkannte den bedeutenden Anteil der Juden am Handel und verkündete 1539, daß Juden mit sofortiger Wirkung wieder Zutritt zu seinen Landen, d.h. der Kurmark bekommen. Allerdings versuchten erst 1692 wieder Juden in Cottbus zu leben. Auf der Grundlage eines Ediktes von 1671, in dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620 - 1688) die Aufnahme von 50 jüdischen Familien, die Wien nach judenfeindlichen Ausschreitungen verlassen mußten, genehmigte, beantragten sie ein Schutzprivileg für Cottbus. Dieser Status hatte, über die Voraussetzung für eine Ansiedlung, jedoch nur formalen Charakter, einen Schutz vor Übergriffen und Progromen bot er nicht. Allerdings versuchte auch der Magistrat der Stadt immer wieder, den Handel treibenden Juden z.B. mit nachträglich aufgelegten Steuern eine Ausübung ihres Gewerbes zu erschweren. 1740 wurden Frau Kayala Israel Pinkussin, ihr unverheirateter Bruder, sowie ihr Schwager mit seiner Familie in Cottbus amtlich registriert. Aufgrund starker Diskriminierungen ließen sich erst zwischen 1806 und 1815 drei weitere jüdische Familien in der Stadt nieder. Sie fanden allerdings keine Glaubensbrüder mehr vor. Diese waren entweder verstorben oder zum Christentum übergetreten. Da Cottbus zu diesem Zeitpunkt zu Sachsen gehörte, galt in der Stadt der von Friedrich Wilhelm 1812 eingebrachte Erlaß zur „Gleichstellung aller in den preußischen Ländern damals sich befindlichen eingesessenen Juden“ erst ab 1815 formal. Allerdings ist zu bemerken, daß es oftmals an Interesse mangelte, die 1772 erlassene sächsische Judenordnung, die eine Ansiedlung nur in Dresden und Leipzig erlaubte, konsequent durchzusetzen. Diese Dikrete schützten, auch nach dem Cottbus wieder zu Preußen gehörte, nicht vor behördlicher Willkür und Schikanen. Ansprüche von Juden hinsichtlich einer Gleichstellung mit BürgerInnen christlichen Glaubens wurden in der Regel zu ihren Ungunsten entschieden. Die erste Betstube befand 1811 sich im Hinterhaus eines Tuchmachers, an der Mauerstraße und ist heute überbaut durch das Rathaus am Neumarkt. 1814 lebten 17 JüdInnen in Cottbus Mit dem Jahr 1816 und der Zugehörigkeit zu Preußen, wuchs auch die jüdische Gemeinde langsam. Erst eine 1845 erlassenen Gewerbeordnung ermöglichte eine uneingeschränkte Niederlassung, verhinderte aber ebenfalls eine andauernde wirtschaftliche Diskriminierung mit einer endlos scheinenden Bürokratie nicht. Probleme gab es allerdings kaum noch, wenn die Familienoberhäupter die Staatsbürgerschaft beantragt hatten und diesem stattgegeben wurde. So konnten jüdische Kinder städtische Schulen weitestgehend problemlos besuchen. Im Jahr 1847 wurde von den Juden der Stadt und ihrer Umgebung beschlossen, die Bildung einer Jüdischen Gemeinde mit Kooperationsrechten in Angriff zu nehmen. Die Regierung des Bezirkes Frankfurt / Oder beauftragte am 26.12.1847 den Magistrat der Stadt Cottbus, die Bildung einer Synagogen - Gemeinde zu ermöglichen. Zu ihr sollten die Juden der Kreise Cottbus, Luckau, Calau und Spremberg gehören. Erst 1853 wurde die Gründung einer Synagogen - Gemeinde wieder forciert. Koordinationsschwierigkeiten führten dazu, daß wiederum drei Jahre vergehen mußten, bevor die Wahl des Vorstandes der Gemeinde vollzogen wurde. 1858, nach mehrmaligen Änderungen des Status durch die Regierung galt die Gemeinde als gegründet. 1866 gehörten ihr 31 Personen an, 1902 waren er bereits 90 Mitglieder. Als Friedhof wurde zwischen 1817 und 1918 ein erworbenes Gelände in der Dresdener Straße genutzt, welcher dann aus Platzmangel keine neuen Gräber mehr aufnehmen konnte. Er wurde 1945 bei einem Bombenangriff zerstört und 1947, auf einen Antrag des Stadtgartenamtes in eine Parkanlage mit Gedenkstein umgewandelt. Bereits seit 1916 versuchte die, mittlerweile auf ca. 400 Mitglieder angewachsene Gemeinde am Rande des Südfriedhofes im Stadtteil Madlow einen israelitischen Friedhof zu errichten. Am 31.08.1916 stimmte die Stadt Cottbus dem Antrag im Austausch mit einer 5141 qm großen Fläche im Madlower Wald zu. Der Frau des Stadtverordneten und Vorsitzenden der Fortschrittlichen Volkspartei, Justizrat Abraham Ludwig Hammerschmidt setzte die Gemeinde hier ein Denkmal. Ab 1862 sammelte die Gemeinde Geld, um ein Grundstück zu Bau einer Synagoge zu erwerben, im Jahr 1892 begannen die Planungen der Gemeinde eine Synagoge in Cottbus zu bauen, Gestalt anzunehmen. Unterstützung fand sie dabei von dem fortschrittlich eingestellten Oberbürgermeister Paul Werner. Sie konnte am 16.09.1902 in der Jahrstraße 5 eingeweiht werden. An diesem Ort befindet sich heute das Kaufhaus Galeria Kaufhof. 1988 wurde an der Westseite eine Tafel zur Erinnerung angebracht. In der sog. Reichsprogromnacht am 09.11.1938 wurde sie gestürmt und angezündet. Die Feuerwehr war zwar vor Ort, achtete aber nur darauf, daß das Feuer nicht auf die umliegenden Gebäude übergriff. Die Reste wurden später gesprengt, beseitigt und der freigelegte Giebel des Nachbarhauses wurde übermalt. In dieser Nacht wurde außerdem der Jüdische Friedhof in der Dresdener Straße geschändet, das Elektrogeschäft Grünbaum in der Kaiserstraße (heute Breidscheidstr.) / Ecke Tiegelgasse wurde geplündert und brannte aus. Die Haushaltswaren-, Leder- und Schuhgeschäfte in der Burgstraße wurden zerstört. Die Villa des Fabrikanten Bram / Samson brannte. Die Lederhandlung in der Wallstraße und weitere Geschäfte in der Bahnhofsstraße, der Lausitzer Straße, der Bismarkstraße (heutige Wernerstraße) wurde überfallen. Darüber hinaus drang der Mob in Büroräume, Arztpraxen und Wohnungen ein. Die angetroffenen JüdInnen wurden mißhandelt und / oder verhaftet. Letzteres betraf 30 Personen, hauptsächlich wohlhabendere Männer, die alle nach Sachsenhausen deportiert wurden. Nach dem viele der Verhafteten ihr Vermögen dem deutschen Staat überschrieben hatten, wurden einige von ihnen schwer mißhandelt entlassen. Bereits im Jahr 1933 begann die systematische Ausbeutung, Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung jüdischer BürgerInnen in Deutschland. Allein in diesem Jahr wurden 315 Gesetze und Verordnungen zu ihrer Entrechtung erlassen. Desweiteren gründete sich ebenfalls 1933 die ausschließlich für sog. „Judenangelegenheiten“ zuständige Ortspolizeibehörde Cottbus VI³. Am 31.03.1933 erschien im „Cottbuser Anzeiger“ der Boykottaufruf „Wer beim Juden kauft, ist ein Verräter am deutschen Volke“, der neben Lebensmittelläden auch sämtliche Büroräume jüdischer Rechtsanwälte, die Niederlassungen jüdischer Ärzte, Tuchversandgeschäfte etc. betraf und ab dem 01.04. 1933 gelten sollte. Darüberhinaus wurden zahlreiche Einbürgerungen, die zwischen 1918 und 1933 erfolgt waren, rückgängig gemacht. Die Betroffenen wurden zur Ausreise und zur Zahlung der damit verbundenen „Reichsfluchtsteuer“ gedrängt. Nicht zuletzt wurden jüdische Beamte, Ärzte, Studenten, Angestellte etc. gekündigt. Eine Erlaubnis für Marktstände wurde eingezogen oder nicht mehr verlängert. Am 14.12.1936 erfolgte die Polizeiverordnung über die „Feststellung der Wahlberechtigten“ aller ansässigen „reichsdeutschen Nichtarier“ und sogenannten „Mischlinge“. Daraufhin wurde der damalige Vorsteher der Synagogengemeinde, Georg Schlesinger von der Ortspolizeibehörde aufgefordert, eine Liste mit sämtlichen Mitgliedern der Gemeinde und ihrer Verwandten zu erstellen. Laut dieser Liste lebten zum damaligen Zeitpunkt 334 jüdische BürgerInnen in Cottbus, 87 Kinder, 128 Frauen, 119 Männer und 98 Menschen ohne deutschen Pass. Sie müßten sich im Wahlamt einfinden und einen Fragebogen ausfüllen. Im Februar 1937 lebten 499 JüdInnen in Cottbus, viele von ihnen waren aus den umliegenden Gemeinden nach Cottbus geflohen, da sie darauf hofften, in einer größeren Stadt anonymer leben zu können. Gleichzeitig lief eine, von der Regierung gewollte Auswanderungswelle, unter Zahlung der geforderten „Reichsfluchtsteuer“ und einhergehend mit Zwangsenteignungen von Häusern, Geschäften, Fabriken... So emigrierten am 01.10.1936 34 JüdInnen, hauptsächlich nach Südafrika und Brasilien. Dies war verbunden, mit einem immensen bürokratischen Aufwand, der immer wieder neue Unterlagen und Bescheinigungen anforderte. Nicht selten wurden AntragsstellerInnen vor Aushändigung ihres Visums oder Passes abtransportiert. Am 28.10.1938 wurden aus Cottbus mindestens 38 JüdInnen polnischer Herkunft abgeschoben. Im Juni 1939 lebten 162 JüdInnen in der Stadt. Ihnen standen ca. 50 bis 60 Wohnungen zur Verfügung, 10% davon hatten keine Kochgelegenheiten, nur zwei ein Bad. Es wurden weitere Diskriminierungen durchgesetzt: das tragen des Judensternes wurde zur Pflicht, die jüdische Bevölkerung wurde gezwungen, in sogenannten „Judenhäusern“ zusammenzuleben. In Cottbus befanden sich diese in der Münzstraße 42, Rossstraße 27, Kaiserstraße 5 (ausschließlich für alte Menschen), Mühlenstraße 37, Dresdener Str. 55 und Wallstraße 9. Zwangsarbeit und der systematische Abtransport in Konzentrations- und Vernichtungslager standen an der Tagesordnung. Am 06.05.1940 erfolgt von der Gestapo in Frankfurt / Oder ein Rundschreiben welches besagt: 1. Die Auswanderung sei auch trotz des begonnenen Krieges verstärkt zu betreiben, aber keine „wehr- und arbeitsfähigen Juden“ ins europäische Ausland und auf keinen Fall ins europäische Feindesland auswandern dürfen. 2. Eine Auswanderung nach Israel aus außenpolitischen Gründen unerwünscht sei. Wahrscheinlich der Cottbuser Oberbürgermeister antwortete der Gestapo am 23.05.1940, daß nach Ausbruch des Krieges nur zwei Personen ausgewandert seien, eine nach Argentinien, die zweite nach Spanien. Seit 1936 hatten mehr als 2/3 der ansässigen Cottbuser JüdInnen das Land verlassen, der verbleibende Rest versuchte es zwar, allerdings gelang es aus Mangel an Geld und / oder Kontakten nicht. 1942 lebten nur noch sehr wenige JüdInnen in Cottbus, sehr zurückgezogen und auf die Hilfe einiger Weniger angewiesen. 12 von ihnen, d.h. zwei oder drei Familien mit ihren Kindern, erlebten 1945 die Befreiung. Sogenannte „Mischehen“ hatten sie vor der Deportation geschützt. Es ist nicht bekannt, daß jemand im Untergrund überleben konnte. Aufgrund mangelnder Unterlagen über das Schicksal der meisten JüdInnen, kann die folgende Aufzählung nur beispiel- und vorallem bruchstückhaft bleiben: · 1933 nahm sich der jüdische Kinderarzt Gustaf Matzdorf gemeinsam mit seiner Frau das Leben. Die Häuser in denen sie zur Miete wohnten bzw. ihre Praxis hatten, und die ebenfalls in jüdischem Besitz waren, gingen Ende der 30er Jahre in städtischen Besitz über. · 1933 wanderte ein Mitinhaber des Modehauses Brunner & Schieser, der in der Bahnhofstraße 49 wohnte, nach Israel oder Bolivien aus. · Dem amerikanischen Ozeanüberquerer Levin, der 1927 in der Nähe von Cottbus notlanden mußte, wurde seine zu diesem Zeitpunkt verliehene Ehrenbürgerwürde wieder aberkannt · 1938 wurden die Häuser Bahnhofstraße 77 und Kaiser Wilhelm Platz 55 zwangsenteignet. Das Haus in der Bahnhofstraße 77 wurde 1899 im Auftrag des Kaufmannes Salomon Neumann erbaut. 1910 übernahm es Emil Neumann, vermutlich sein Sohn. Mitte der Zwanziger Jahre erwarben sie außerdem das Grundstück der konkursen Tuchfabrik am Kaiser Wilhelm Platz und bezogen es. das Haus in der Bahnhofstraße wurde vermietet. · Der Möbelfabrikant Ludwig Friede mußte seine Firma und sein Anfang der 20er Jahre in der Bahnhofstraße 55 erworbenes Haus und Grundstück ebenfalls aufgeben. · Am 30.06.1939 konnten Samuel Neumann und Curt Jablonsky, wohnhaft in der Spremberger Straße 8, nach Chile auswandern. · Margot Grünbaum konnte nach Argentinien auswandern. · Der Zahnarzt Fritz Brühl, wohnhaft in der Lessingstraße 6, emigrierte am 18.04.1939 nach Shanghai, seine Frau zog bis zu ihrer Ausreise zu ihren Eltern nach Berlin · Der Tuchfabrikant Ernst Frank und seine Frau Carla, geborene Grünbaum, wandern nach Manchester aus. · Die Schülerin Anni Fuchs, wohnhaft am Altmarkt 29 wird nach Schweden geschickt und später in ein Internat nach England. Ihre Mutter, Rosa Fuchs, wird am 27.02.1943 in Theresienstadt ermordet. Ihr geschiedener Mann, Arthur Goldstein, stirbt Ende 1942 im Ghetto Piasti bei Lublin. Sein Bruder Richard Goldstein, stirbt am 10.01.1943 in einem Internierungslager in Italien, während er auf seine Genehmigung zur Einreise nach Palästina wartet. Seine Frau Else Goldstein erreicht nach zwei Jahren Irrfahrt Palästina, nachdem ihr und ihrem Mann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und ihr gesamtes Vermögen konfisziert wurde. · Die Versicherungsvertreterin Charlotte Gerechter, Lessingstrasse 6 und Karoline Grünbaum, Parzellenstrasse 2 können nach England emigrieren. · Das Ehepaar Jablonsky kann, ebenso wie Kurt Jablonsy nach Chile auswandern. · Am 08.03.1939 wandert das Ehepaar Georg und Ruth Keilson gemeinsam mit ihrem Sohn nach Shanghai aus. Dorthin flüchten auch das Ehepaar Herrmann (Schuhmacher) und Edith Lewitt. · Der Kaufmann Samuel Neumann floh, gemeinsam mit seiner Frau Tekla und ihrer Tochter Edeltraut nach Bolivien. · Susi Norbert, Marienstraße 19, emigriert am 27.03.1939 zuerst nach Cuba und später in die USA. · Lieselotte Pick, Haushaltsgehilfin, wohnhaft bei ihren Eltern in der Rossstrasse 27, emigriert nach England. · Chaim Teichler, Spremberger Straße 37, bekommt, da er ursprünglich aus einem anderen Land kommt, die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er schafft es trotzdem am 20.08.1939 nach Montevideo auszuwandern. Frieda Teichler bekommt die Staatsangehörigkeit ebenfalls aberkannt, sie versucht nach Südamerika auszuwandern, der zuständige Beamte veranlasst mit der Begründung, daß sie in Breslau wohnt, nichts. · Herr Israeliski und sein Untermieter Herr Liegner werden gezwungen, die gemeinsame Wohnung in der Bismarckstraße 2 aufzugeben. In ihrer neuen Bleibe erhalten sie kurz darauf ebenfalls eine Kündigung und werden gezwungen, in eins der sogenannten Judenhäuser zu ziehen. · Nach den Pogromen am 09.November 1938 wurden u.a. Alfred und Bruno Konschewski, sowie Hans und Walter Hammerschmidt verhaftet. Von ihnen überlebte nur Hans Hammerschmidt, als einziger seiner Familie, in dem er 1939 über England nach Ecuador auswanderte. Die drei anderen starben in KZ – Haft am 19.12.1939, am 24.12.1938 und im Januar 1939 · Zwischen Februar und Oktober 1940 werden fünf jüdische BürgerInnen nach Ravensbrück und drei nach Sachsenhausen deportiert. Nähere Angaben zu ihnen lassen sich nicht finden. · Im April 1942 wird eine größere Gruppe ins Warschauer Ghetto deportiert, u.a. Semmy Rosenthal und Frieda Glasfeld. · Der Vorsteher der Synagogengemeinde, Georg Schlesinger, wird gemeinsam mit allen BewohnerInnen der Rossstraße 27 am 24.08.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort wahrscheinlich ermordet. Auf dem gleichen Transport befanden sich auch die BewohnerInnen der Münzstrasse 42, unter ihnen die 90jährige Johanna B. Ihr Schicksal ist unklar, allerdings ist davon auszugehen, daß die meisten von ihnen nicht überlebten. Quellen: Folgende Quellen sind dem Cottbuser Stadtarchiv entnommen - Quelle zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer AI 12.92 AII 3.2a 12/13/14 AII 3.2b 17/22/23/24751 - Steffen Kohler; Antisemitische Pogrome der Faschisten in Cottbus; 1988 - Irene Diekmann und Julius H. Schöps; Wegweiser durch das jüdische Brandenburg, Cottbus - Cottbuser Zeitungen: CZ 2/92; S. 23-28; CZ 2/94; S. 21-30; CZ 1/95; S. 4-16 - Rabbiner Dr. Posner; Geschichte der Juden in Cottbus (Hrsg. Zum 50. Jubiläum der Synagogengemeinde) Aus der Geschichte der Synagogen - Gemeinde Cottbus; Arbeitsgemeinschaft Cottbus der Deutsch - Israelischen Gesellschaft (Hrsg.)

Jüdische Geschichte in Cottbus - Teil II

Mit der Wahl der neuen Regierung am 31.1.1933 begann für viele Menschen eine schwere Zeit. Eine der verfolgten Bevölkerungsgruppen, erst in Deutschland, später auch in allen besetzten Gebieten waren die Juden. Auswirkungen dieser Verfolgung und Diskriminierung waren bis ins kleinste Dorf zu spüren. Gleich 1933 ging die systematische Ausbeutung, Diskriminierung, Verfolgung und Ausrottung los. Allein 1933 wurden 315 Gesetze und Verordnungen zur Entrechtung der Juden erlassen. In diesem Jahr wurde auch bei der Ortspolizeibehörde Cottbus die Abteilung VI gegründet, die nur für sogenannte Judenangelegenheiten zuständig war. Im gleichen Jahr am 31.3.1933 erschien im "Cottbuser Anzeiger" der Boykottaufruf, der am 01.04.1933 ab 10.00 Uhr gelten sollte unter der Überschrift "Wer beim Juden kauft, ist ein Verräter am deutschen Volke". Dieser Boykottaufruf beschränkte sich nicht nur auf Ladenverkaufstellen, sondern beinhaltete auch u.a. sämtliche Büroräume jüdischer Rechtsanwälte, Niederlassungen jüdischer Ärzte, Tuchversandgeschäfte etc. In der Sprem sollen Bürger trotz des Verbotes in jüdischen Geschäften eingekauft haben, das ist aber nicht nachgewiesen. 1933 nahmen sich der jüdische Kinderarzt Gustaf Matzdorf und seine Frau das Leben, die Häuser in denen sie zur Miete wohnten und ihre Praxis hatten, die auch in jüdischem Besitz waren gingen in den 30ger Jahren in städtischen Besitz über. Ende der 60ger Jahre wurden sie wegen der Straßenerweiterung abgerissen. Der Mitinhaber des bekannten Modehauses Brunner & Schießer, der in der Bahnhofstrasse 49 wohnte, wanderte 1933 nach Israel aus (andere Angaben geben Bolivien an). Dem Ozeanüberquerer amerikanischer Staatsbürgerschaft Levin, der 1927 in der Nähe von Cottbus notlanden musste und als Ehrenbürger der Stadt Cottbus aufgenommen wurde, wird diese Ehre wieder aberkannt, da er Jude ist. Ebenfalls in diesem Jahr wurden zahlreiche Einbürgerungen, die in den Jahren 1918 bis 1933 erfolgten, rückgängig gemacht und die Betroffenen zur Ausreise gedrängt, natürlich nur nach Zahlung der sogenannten "Reichsfluchtsteuer". Jüdischen Beamten, Ärzten, Angestellten, Studenten etc. wurde gekündigt, die Erlaubnis für Marktstände wurde eingezogen bzw. nicht mehr erteilt; das alles zielte auf den Bankrott dieser Menschen ab. Am 14.12.1936 erfolgte die Polizeiverordnung über die "Feststellung der Wahlberechtigten" aller ansässigen "reichsdeutschen Nichtarier" und sogenannten "Mischlinge". Daraufhin wurde Georg Schlesinger, der damalige Vorsteher der Synagogengemeinde, am 28.12.1936 von der Ortspolizeibehörde aufgefordert, sämtliche MitgliederInnen der Synagogengemeinde, sowie ihre Verwandten aufzulisten. Laut dieser Liste lebten damals 334 jüdische BürgerInnen in Cottbus, davon waren 87 Kinder, 128 Frauen, 119 Männer, sowie 98 Menschen ohne deutschen Pass. Diese mussten sich dann beim Wahlamt einfinden und einen diskriminierenden Fragebogen ausfüllen. Im Februar 1937 lebten 499 Juden in Cottbus, dieser Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass viele Juden aus ländlichen Gemeinden hofften, in der Stadt Cottbus anonymer zu leben. Denn die Auswanderungswelle, die von der Regierung auch gewollt war, lief schon. So emigrierten z. Bsp. bis zum 01.10.1936 34 Cottbusser Juden, darunter zahlreiche Kinder, nach Zahlung der "Reichsfluchtsteuer" hauptsächlich nach Südafrika und Brasilien. Parallel zur verstärkten Auswanderungswelle lief die Zwangsenteignung jüdischer Häuser, Geschäfte, Fabriken etc. So zum Beispiel in der Bahnhofstrasse 77. Dieses Haus wurde 1899 im Auftrag des jüdischen Kaufmannes Salomon Neumann erbaut. 1910 übernahm Emil Neumann, vermutlich der Sohn von Salomon Neumann die Verwaltung des Besitzes. Mitte der zwanziger Jahre kauften sie das Grundstück der konkursen Tuchfabrik am Kaiser Wilhelm Platz 55 und zogen auch dorthin. Das Haus Bahnhofstrasse 77 wurde vermietet. 1938 dann wurden beide Grundstücke zwangsenteignet. Auch der Möbelfabrikant Ludwig Friede, der Anfang der zwanziger Jahre das Haus Bahnhofstrasse 55 gekauft hatte, musste Haus und Firma unter den Nazis aufgeben, weil er Jude war. Am 30.06.1939 wandern Samuel Neumann und Curt Jablonsky nach Chile aus, beide wohnten vorher in der Sprembergerstrasse 8. Um auswandern zu können, musste sich jede/r einem immensen bürokratischen Apparat ausliefern, der immer wieder neue Unterlagen, Bescheinigungen etc. anforderte. Doch zum Glück hielten viele Menschen diesem Druck stand, doch es konnte auch passieren, das jemand abtransportiert wurde, während der Auswanderungsantrag oder Passantrag oder Visumantrag oder oder oder lief. Margot Grünbaum, geboren 1911 in Cottbus wanderte nach Argentinien aus. Der Zahnarzt Fritz Brühl, wohnhaft in der Lessingstrasse 6 emigrierte am 18.04.1939 nach Shanghai. Seine Frau zieht bis zur ihrer Ausreise nach Berlin zu ihren Eltern. Der Tuchfabrikant Ernst Frank, geboren in Cottbus und seine Frau Carla Frank, geborene Grünbaum, beide wohnhaft Parzellenstrasse 2 wandern nach Manchester aus. Die Schülerin Anni Fuchs geboren 1925 in Senftenberg wird von ihrer Mutter Rosa Fuchs, wohnhaft Altmarkt 29 nach Schweden geschickt und später auf eine Internatsschule in England. Die Mutter Rosa Fuchs wird am 27.02.1943 in Theresienstadt ermordet. Ihr geschiedener Mann Arthur Goldstein stirbt Ende April 1942 im Ghetto Piasti bei Lublin. Sein Bruder Richard Goldstein stirbt am 10.01.1943 im Internierungslager in Italien während er auf die Genehmigung zur Einreise nach Palästina wartet. Seine Frau Else Goldstein kommt nach zwei Jahren Irrfahrt in Palästina an, nachdem sie und ihr Mann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt bekommen hatten und ihr gesamtes Vermögen konfisziert wurde. Die Versicherungsvertreterin Charlotte Gerechter, wohnhaft Lessingstrasse 6 emigriert nach England. Ebenfalls Karoline Grünbaum, wohnhaft Parzellenstrasse 2. Das Ehepaar Jablonsky wandert nach Chile aus, ebenfalls Kurt Jablonsky, wahrscheinlich ein Bruder. Am 08.03.1939 emigrieren das Ehepaar Georg und Ruth Keilson, wohnhaft Kaiserstrasse 5 mit ihrem Sohn nach Shanghai. Das gleiche Ziel haben das Ehepaar Hermann (Schumacher) und Edith Lewitt, wohnhaft Schützenstrasse 1. Der Kaufmann Samuel Neumann, seine Frau Tekla und ihre Tochter Edeltraut, alle wohnhaft Sprembergerstrasse 8 wanderten nach Bolivien aus. Susie Norbert geboren 1918 in Cottbus, wohnhaft Marienstrasse 19 emigriert am 27.03.1939 vorerst nach Cuba, später im November 1939 in die USA. Lieselotte Pick, Hausgehilfin, geboren 1914 in Cottbus, wohnhaft bei ihren Eltern in der Rossstrasse 27 emigriert nach England. Chaim Teichler, wohnhaft Sprembergerstrasse 37, bekommt die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt (,weil er Jude ist und ursprünglich aus einem anderen Land kommt) schafft es aber trotzdem am 20.08.1938 nach Monte Video auszuwandern. Die staatenlose (,weil ihr die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wurde) Frieda Teichler beabsichtigt nach Südamerika auszuwandern. Doch ein Memo der zuständigen Behörde vom 14.12. 1936 sagt aus nichts zu veranlassen, da sie in Breslau wohnt. Nach der Progromnacht vom 9.11.1939, über die ich im Teil 1 (NHZ # 47) berichtete, wurden die Maßnahmen immer diskriminierender und unerträglicher. So kam die Verordnung über das Tragen von "Judensternen" hinzu, die Zwangsarbeit, der systematische Abtransport in Konzentrations- und Vernichtungslager unter Einbeziehung sämtlicher Vermögenswerte, das Zusammenlegen der jüdischen Bevölkerung in sogenannte Judenhäuser usw. Im Juni 1939 lebten 162 jüdische Bürger in circa 50 bis 60 Wohnungen, davon waren circa 10% ohne Kochgelegenheit und nur zwei mit Bad ausgestattet. Die sogenannten Judenhäuser befanden sich in der Münzstrasse 42, Rossstrasse 27, Kaiserstrasse 5 (dort waren ausschließlich alte Menschen eingepfercht, die unter unvorstellbaren Bedingungen lebten), Mühlenstrasse 37, Dresdener Strasse 55 und Wallstrasse 9. So wurden zum Beispiel Herr Israelski und sein Untermieter Hermann Liegner, gezwungen die gemeinsame Wohnung Bismarckstrasse 2 aufzugeben, fanden eine neue Bleibe in der Pücklerstrasse 5a und erhielten kurz darauf erneut die Kündigung und den Befehl in eins der sogenannten Judenhäuser zu ziehen, die meist schon voll belegt waren. Am 06.05.1940 erfolgt von der Gestapo Frankfurt/ Oder ein Rundschreiben, welches besagt, dass 1.die Auswanderung auch trotz des Krieges verstärkt zu betreiben ist, aber keine "wehr und -arbeitsfähigen Juden" ins europäische Ausland und auf keinen Fall ins europäische Feindesland auswandern dürfen. 2. Die Auswanderung nach Israel aus außenpolitischen Gründen unerwünscht sei. Am 23.05. antwortet wahrscheinlich der Oberbürgermeister von Cottbus der Gestapo Frankfurt/ Oder mit der Mitteilung, dass während des Krieges nur zwei Personen ausgewandert seien, eine nach Argentinien und die zweite nach Spanien. Außerdem hatten seit 1936 mehr als zwei/drittel der 320 ansässigen Cottbuser Juden Deutschland bereits verlassen. ??? Der verbliebene Rest versuchte zwar auszuwandern, war aber entweder zu arm, hatte keine Kontakte oder beides. 1940 wurden zwischen Februar und Oktober fünf jüdische BürgerInnen nach Ravensbrück und drei nach Sachsenhausen transportiert. Genauere Angaben zu diesen Menschen waren leider nicht zu finden. Im April 1942 wurde eine größere Gruppe jüdischer BürgerInnen ins Warschauer Ghetto verschleppt u.a. Semmy Rosenthal und Frieda Glasfeld. Auch der Vorsteher der Synagogengemeinde, Georg Schlesinger, wurde gemeinsam mit allen BewohnerInnen des Hauses Rossstrasse 27 am 24.08.1942 nach Theresienstadt abtransportiert und höchstwahrscheinlich auch dort ermordet. Mit dem gleichen Transport wurden auch die BewohnerInnen der Münzstrasse 42, unter anderem die 90 jährige Johanna B., deportiert. Ihr Schicksal ist unklar, aber man kann davon ausgehen, dass die meisten, wenn nicht alle, nicht überlebt haben. Somit waren nach 1942 nur noch sehr wenige jüdische Bürger in Cottbus, die sehr zurückgezogen lebten und abhängig vom Schicksal und der Unterstützung sehr sehr weniger waren. In Cottbus erlebten 12 jüdische BürgerInnen die Befreiung, dass waren circa 2-3 Familien mit ihren Kindern, die durch sogenannte "Mischehen" zumindest bis zum Schluss vor der Deportation geschützt waren. Dieser Bericht, wie auch Teil 1 erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich war abhängig von den Angaben, die ich im Cottbuser Stadtarchiv fand. Leider war es mir dadurch auch nicht möglich persönliche Schicksale genauer zu beleuchten. Quellen: -"Antisemitische Pogrome der Faschisten in Cottbus" von Steffen Kober 1988 aus -"Niederlausitzer Studien" Heft 22 -"500 Jahre jüdisches Leben in Cottbus" -"Wegweiser durch das jüdische Brandenburg, Cottbus" von Irene Diekmann und Julius H. Schöps -Cottbuser Zeitung 1/91 Seite 17 bis 25 -Cottbuser Zeitung 5/90 Seite 3 bis 8 -A ll 3.2a Band 3 -A ll 3.2d 46

Dahme-Spreewald

  • Landkreis im Sdosten Brandenburgs
  • Fläche: 2.261 km²
  • Einwohner: 159.568 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: LDS



Städte und Gemeinden:



Lübben (Kreisstadt), Königs Wusterhausen, Luckau


Elbe-Elster

  • Landkreis im Südwesten Brandenburgs
  • Fläche: 1.889 km2
  • Einwohner: 129.066 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: EE



St�dte und Gemeinden:



Herzberg (Kreisstadt), Elsterwerda, Finsterwalde, Bad Liebenwerda, Falkenberg


Frankfurt (Oder)

  • kreisfreie Stadt im Osten Brandenburgs
  • Fläche: 148 km²
  • Einwohner: 70.308 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: FF

Im Sommer ins "strukturschwache Gebiet"

Von der Bundeshauptstadt aus ist es zur sogenannten Peripherie nicht weit. In Frankfurt/Oder, mit Auto oder Bahn in einer knappen Stunde angekommen, ist sie schon erreicht. Im Sommer 2006 herrscht hier eine starke Mückenplage. Winzige Stechmücken, Kriebelfliegen genannt, wogen in großen Schwärmen durch die Luft, auf der Schnellstraße prasseln sie an die Windschutzscheibe wie ein Regen. Dieses Insekt, das sauberes Wasser bevorzugt zur Eiablage, entwickelte sich mangels Industrie und industrieller Abwässer explosionsartig. Es wird sogar eine "Kriebelmücken-Konferenz" mit Experten geben. Die polnische Seite spritzt Gift, die deutsche nicht. Die Folger der Mückenplage jedenfals: es stehen alle Sitzgärten leer und die Touristen fliehen. Die Stadt wirkt darüber hinaus überraschend geruhsam, besonders morgens gibt es kaum Berufsverkehr. Stau entsteht einzig nur in der Rosa-Luxemburg-Straße durch den innerstädtischen Grenzübergang nach Slubice. Man findet überall (sogar schattige) Parkplätze. Diese Geruhsamkeit ist die Folge der Massenabwanderung nach Westen. Vor 1989 hatte Frankfurt (Oder) ca. 90.000 Einwohner. Von 1990 bis heute hat die Stadt fast 30 Prozent ihrer Bevölkerung verloren. Daran konnten weder die Neugründung der Viadrina-Universität (1991) mit ihren nur drei Fakultäten und entsprechend wenigen Studenten, noch der schöne Zusatz "Kleist-Stadt" (1999) etwas ändern.

Aber nciht nur am Bevölkerungsschwund lässt sich ablesen, dass wir uns eindeutig in einem "strukturschwachen" Gebiet befinden. Mehr als 20 Prozent der Bürger dieser Stadt sind arbeitslos, mehr als 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben von Sozialhilfe. Es gibt zweieinhalbtausend Ausländer in etwa, und eine hochgradige Xenophobie. Bei einer ersten Bürgerabstimmung dieser Art, stimmten Anfang dieses Jahres 86 Prozent der Bürger gegen eine Verlängerung der Straßenbahnlinie über die Oder hinweg ins polnische Slubice. Allgemeine Meinung: "Zum Tanken brauchen wir das Auto!" Eine ältere Frau, Bewohnerin einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Neu-Beresinchen erzählt uns: "Das wird hier immer keimiger, seit Jahren putzt keiner mehr das Treppenhaus. Hier wird sich nie mehr was ändern; das sehen sie schon daran, dass 3.500 Wohnungen abgerissen worden sind … Im Prinzip leben nur noch Verlierer in der Stadt - und die, die die Verlierer verwalten …" Wer abends in der Dämmerung über die Autobahn kommt, kann eine angestrahlte Investruine sehen. Sie steht im "Technologiepark Ostbrandenburg", ist 230 Meter lang und 84 Meter breit und 20 Meter hoch. Die 2003 gescheiterte Chipfabrik war eines der ehrgeizigsten Großprojekte in den neuen Bundesländern, es endete mit einem wirtschaftspolitischen Desaster und verschlangt 80 Millionen an Steuergeldern.


Havelland

  • Landkreis im Westen Brandenburgs
  • Fläche: 1.707 km²
  • Einwohner: 150.340 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: HVL

Städte und Gemeinden: Rathenow (Kreisstadt)


Märkisch-Oderland

  • Landkreis im Osten Brandenburgs
  • Fläche: 2.128 km²
  • Einwohner: 189.634 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: MOL


Städte und Gemeinden:


Seelow (Kreisstadt), Strausberg


Albrecht Daniel Thaer in Möglin

Der Landwirt und Arzt Albrecht Daniel Thaer (1752 – 1828) zählt zu den bedeutendsten Begründern der modernen Landbauwissenschaften im deutschen Sprachraum. Mit seinem Hauptwerk „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft“ (1809 – 1812) entwickelte er das in seinen Grundzügen noch heute gültige System der Landbauwissenschaften und realisierte die Einheit zwischen den aufstrebenden Naturwissenschaften und der bis dahin fast ausschließlich empirisch betriebenen Landwirtschaftslehre.

Das von ihm 1802 in Celle gegründete landwirtschaftliche Lehrinstitut und besonders die spätere Königlich Preußische Akademie des Landbaues in Möglin (eröffnet 1806) bildeten mit ihrer Wissenschaftsorganisation und ihrem Lehrprogramm das Vorbild für das Entstehen zahlreicher agrarischer Hochschuleinrichtungen im In- und Ausland. 
Thaer war auch an den Preußischen Agrarreformen nach dem Oktoberedikt von 1807 beteiligt: Auflösen der starren Ständeordnung, Beseitigung der bäuerlichen Erbuntertänigkeit, Bauernbefreiung, Beginn der kapitalistischen Entwicklung in der Landwirtschaft. Mit der „Bauernbefreiung“ konnten die bisher abhängigen Bauern über 20 Millionen Hand- und annähernd 7 Millionen Spanndiensttage ablösen. Das hieß, sie waren nicht mehr verpflichtet, unentgeldlich auf den Gütern und Domänen zu arbeiten. Aber sie mussten dafür etwa 32 Millionen Taler zahlen und 400 000 ha Land abtreten. Damit wurden die Großbetriebe ökonomisch gestärkt.


Thaer kam 1804 nach Möglin und kaufte das dortige Rittergut. Heute steht das Ensemble als Gedenkstätte für Thaer unter Denkmalschutz: Hofanlage, Gutshaus, Inspektorenhaus, Gutspark mit Thaer-Büste und Thaer-Grab. Die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer e.V. betreibt in einem Neubau in der Dorfmitte 



eine Ausstellung über Thaer, seine Herkunft, sein Werk und seine Zeitgenossen. Diese Ausstellung war ursprünglich im Inspektorenhaus untergebracht.

Dieses Ausstellungsgebäude wurde für Ende 2007 vom Geschäftsführer des Thaerhofes gekündigt, einem Immobilienhändler und Friedhofsgärtner aus Bielefeld. In der benachbarten Kirche ist die Ausstellung „200 Jahre Thaer in Möglin“ zu sehen. Die Büste im Park stammt aus dem Jahr 1978. Das Grab wurde 2003 aus Anlass des 175. Todestages saniert. 
Das heutige Aussehen der Hofanlage und des Parks ist ein typisches Beispiel dafür, wie durch verfehlte Privatisierungspolitik der Treuhand und ihrer landwirtschaftlichen Nachfolgerin, der BVVG, die Entwicklung blockiert werden kann. 


Möglin, gelegen am östlichen Rand des Barnim, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen. Aber es wird durch den Fontane-Wanderweg und den Radwanderweg von Strausberg zur Oder an den regionalen Tourismus angeschlossen. Ein Teil des Wanderwegs ist die Verbindungsstraße zwischen Möglin und Reichenow. Mit den alten Kopfulmen



 lässt sich dort eine alte Bewirtschaftungsweise demonstrieren. Der Austrieb der Ulmen wurde regelmäßig beschnitten, geschneitelt. Dicke bzw. dünne Äste dienten als Bau- bzw. Brennholz. Die Blätter kamen frisch oder getrocknet (Blattheu) als Viehfutter zum Einsatz. 


Öffnungszeiten der Ausstellung:
April bis September
Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00
Oktober bis März
Dienstag bis Freitag 10.00 bis 16.00


Bitte die aktuellen Öffnungszeiten bestätigen lassen unter 033456-35164.


Weiterführende Informationen:
www.albrecht-daniel-thaer.org
Albrecht Daniel Thaer in Brandenburg und Berlin, Agrarhistorischer und kulturhistorischer Reiseführer. Findling-Verlag, ISBN 3-933603-28-5, 9,50 €


Bad Freienwalde

Wissenswertes über Bad Freienwalde


Skispringen in Bad Freienwalde - ja auch das gibt es

Denkt mensch an Sport in Brandenburg, so wird er mit Sicherheit nicht sofort ans Skispringen denken. Und doch gibt es in Bad Freienwalde, im nördlichsten Skigebiet Deutschlands, eine Skisprungtradition die ins Jahr 1924 zurückreicht.

Denn mit der Gründung des Wintersportvereins Freienwalde am 31.01.1924 wurde der Startschuß für Wintersport und somit auch Skispringen in Freienwalde getätigt. So gab es bereits im selben Jahr das nördlichste Skispringen Deutschlands zu bestaunen. Allzu weit flogen die Damen und Herren allerdings noch nicht, aber dennoch konnten auch Weiten von 6-9 Metern begeistern. Ein Jahr später begann mensch mit dem Bau der Papengrundschanze auf der Weiten von bis zu 28 Metern erreicht wurden.
Der spätere Olympiasieger Birger Ruud aus Norwegen schaffte es immerhin auf respektable 24 Meter.

Aufgrund der brandenburgischen Witterung war es allerdings nicht möglich jedes Jahr Meisterschaften und Springen durchzuführen.

Hinzu kam dass mit der Machtübernahme der Nazis und dem 2.Weltkrieg auch der Winter- und Skisprungsport ins Abseits gestellt wurde.

1941 trafen sich etliche Übungsleiter aus der Region und überlegten wie mensch trotzdem den Wintersport ausüben könne. Von nun an hieß es mehr Augenmerk auf den Sport an sich denn auf Meisterschaften und Veranstaltungen zu legen. Und so gab es bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. dem Springen am 26 Januar 1941 welches ein großes Publikum anzog, auch keine weiteren nennenswerten Wettkämpfe.

1957 wurde die Schanze erneuert und modernisiert, der Anlauf verlängert und das Schanzenprofil verbessert sodass nun Weiten von bis zu 40 Metern erreicht werden konnten. Doch das Glück währte nicht lange denn Anfang der 60er Jahre gab es das für lange Zeit letzte Springen.

Erst mit der Wiederbelebung des Wintersportvereins am 28.02.2001, besann mensch sich auf seine Skisprungtradition und begann im August 01 damit der nun zugewucherten Schanze sowie der Auslaufzone zu Leibe zu rücken. Im September wurde das Schanzenprofil neu hergerichtet und bereits Mitte Oktober, genauer am 21.10.01, konnte das erste Trainingsspringen über die Schanze gehen. Das alles konnte nur dank vieler Sponsoren so schnell realisiert werden.
Die offizielle Einweihung führte dann am 04.11.01 der ehemalige Weltmeister Pavel Ploc durch.

Mittlerweile hat die Schanze mit der Ausrichtung der offenen Brandenburgischen Landesmeisterschaften ihre Feuertaufe bestanden und mit Juniorenspringen wird natürlich auch an den Nachwuchs gedacht.
Der Nachwuchs soll sich hier, geht es nach den Planern, in einigen Jahren in einem Trainings und Leistungszentrum wieder finden.


Der Bau 3 weiterer Schanzen (k30, K 60, K90) ist ebenso geplant, wie der einer Wintersportarena mit 40.000 Plätzen, ein Abfahrtshang (1300m lang), eine Snowboardhalfpipe sowie einer Sommerrodelbahn.

Die ganze Anlage soll zudem auch für Konzerte, Volksfeste usw. herhalten.
Mensch darf also gespannt was in den nächsten Jahren in Bad Freienwalde noch so alles passiert.

Hochgebirgsvergnügen im recht schneearmen Flachland Brandenburg gibt es nicht nur in Bad Freienwalde, sondern auch in Senftenberg.


Kystrin-Kietz

Beim Oderhochwasser von 1997 stand das Oderbruch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wegen drohender Deichbrüche waren 20 000 Einwohner und eine intensive Landwirtschaft hochgradig gefährdet. 4 500 Bewohner und fast alle Nutztiere wurden damals vorsorglich evakuiert.
Das Bruch stellt heute den größten Flusspolder der Bundesrepublik Deutschland dar und entstand durch wasserbauliche und meliorative Arbeit vieler Jahrhunderte. Es ist 80 km lang, 4 bis 16 km breit und nimmt eine Fläche von etwa 80 000 ha ein. Die Höhe über dem Meeresspiegel der Ostsee beträgt im Süden 12 m, im Norden nur noch 2,3 m. Der Höhenabfall von Ost nach West erreicht 3 bis 4 m.
Wegen dieses Höhenabfalls floss die Oder ursprünglich am Westrand des Bruchs, in der Tiefenlinie entlang der Lebuser bzw. Barnimer Platte. Mit Deichbauten im Laufe mehrerer Jahrhunderte wurde die Oder schrittweise an den Ostrand des Bruchs verlegt. Der Mittelwasserspiegel der Oder liegt heute über dem Niveau der Niederung. Daher die Hochwassergefährdung der Region. 1947 stand das gesamte Oderbruch nach einem Deichbruch zwischen Reitwein und Küstrin-Kietz unter Wasser. Die verschiedenen Zeiträume der Entwässerung und die geringe Höhe über dem Meeresspiegel führten zu unterschiedlicher Nutzung: im Süden mehr Ackerland, im Norden dagegen überwiegend Grünland.
Die letzte große wasserbauliche Maßnahme fand zwischen 1747 und 1753 unter dem Preußenkönig Friedrich II. statt Er ließ einen Kanal von Güstebiese (heute Gozdowice) nach Hohensaaten bauen. Dort fließt heute die Stromoder. Die Alte Oder floss über Wriezen und Bad Freienwalde. Am 2. Juli 1753 um 11.00 Uhr konnte nach 6 Jahren Bauzeit der Neue Oderkanal freigegeben werden. Der 250. Wiederkehr des Ereignisses wurde mit dem im Bild dargestellten Stein auf dem Deich bei Güstebieser Loose gedacht.



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Der König gab seinerzeit für die Melioration des nördlichen Oderbruchs 600 000 Taler aus. Auf dem Land siedelte er Kolonisten aus ganz Europa an, zunächst als Anreiz von Abgaben und Diensten befreit, später natürlich Steuerzahler und Soldaten. (Nach der Bruchmelioration führte der König den Siebenjährigen Krieg: Kosten 139 Millionen Taler, 180 000 tote Soldaten und 220 000 tote Zivilsten.)
Auf den nach 1997 sanierten oder neu gebauten Deichen sind gute Radwege entstanden. Die bereits erwähnte unterschiedliche Verteilung von Ackerland und Grünland lässt sich von dort aus gut erkennen. Reichen im Süden und im Zentrum des Bruchs meist Ackerflächen an den Deich heran, so nimmt nach Norden der Grünlandanteil zu. Die dort notwendige intensive Entwässerung wird durch eine Vielzahl kleiner Schöpfwerke (Pumpstationen) realisiert.
Während der Deichfahrt kommt der Fahrradwanderer durch eine dünn besiedelte Randregion, in der sich die Einwohnerzahl dem Wert von nur 40 Personen pro Quadratkilometer nähert. Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert oder ist rückläufig, obwohl der fruchtbare Boden eine leistungsfähige landwirtschaftliche Produktion mit sich anschließendem Verarbeitungsgewerbe möglich machen würde. Der Raum Genschmar-Bleyen, auf halber Strecke zwischen Lebus und Hohenwutzen, hielt Mitte 2003 den Arbeitslosenrekord der Bundesrepublik mit 60 Prozent.
In Kienitz-Dorf steht in Dorfmitte ein Panzer des Typs T 34. Er erinnert an den ersten Brückenkopf der Roten Armee im Frühjahr 1945.
Anfahrt: Stündlich mit der RB 26 von Berlin-Lichtenberg nach Küstrin-Kietz/Kostrzyn.
Weiterführende Literatur für Ziele im Oderbruch: Carmen Winter: Das Oderbruch – Liebe auf den zweiten Blick. Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer. Findling-Verlag, ISBN 3-933603-27-7, 9,50 €


Muencheberg

Auf dem Weg von Berlin nach Kuestrin immer der Bundesstrasse1/5 Richtung deutsch-polnischen Grenze entlang, kommt man direkt in den Ort Muencheberg hinein, vorausgesetzt man missachtet die Ortsumgehung. Die Stadt selbst hat weder eine regionale noch ueberregionale Bedeutung, wie so viele Kleinstaedte der ehemaligen Mark Brandenburg.


Juedisches Leben in der Stadt Muencheberg

Im Jahre 1225 schenkte Herzog Heinrich von Schlesien den Orden der Zisterzienser und Templer Land in der Region. Diese Schenkung hatte vielleicht auch religiöse Gründe. Ganz vordergründig wird es aber dem Herzog darum gegangen sein, das Land zu besiedeln und dann Steuern eintreiben zu können. 1232 wurde Müncheberg erstmalig urkundlich erwähnt: Eine Ansiedlung von Mönchen, Siedlern und Kolonisten auf einer sandigen Erhebung, umgeben von Wasserflächen und Feuchtgebieten. Ab 1319 entstanden Stadtmauer, Tore, Türme und Wälle, die in teilweise gut erhaltenen Resten noch heute vorhanden sind. Die erste Erwähnung jüdischer Bürger datiert aus dem Jahre 1353. Nach einer Vielzahl von Vertreibungen und Ansiedlungsverboten beginnt ab 1735 zunächst der temporäre und dann der ständige Aufenthalt jüdischer Bürger in Müncheberg. Es waren „Schutzjuden“, die besondere Abgaben zahlen mussten.
1840 schlossen sich die Juden aus Müncheberg, Buckow, Neu-Hardenberg, Neu-Trebbin, Gusow und Platkow zu einer Gemeinde zusammen. 1857 erreichte die Zahl jüdischer Einwohner Münchebergs ihren Höhepunkt mit 82 Personen, bis 1930 sank dann die Zahl auf 34. Im Jahre 1854 erfolgte die Bestätigung des Müncheberger Synagogen-Status durch die Behörden. Neben der Entwicklung des Schulwesens und des Friedhofs kamen nun Gottesdienste an wechselnden Standorten hinzu. 1856 konnte in der Hinterstraße 155 die neue Synagoge eingeweiht werden. Sie fiel dem Pogrom in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 (Reichskristallnacht genannt) zum Opfer. Die 1995 errichtete Gedenkplatte in der Rathausstraße gegenüber der Stadtverwaltung ist vorläufig aufgestellt und steht noch nicht am richtigen Platz.



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Gedenkstein für die zerstörte Synagoge auf dem Marktplatz



Aus den alten Straßennamen lässt sich ableiten, dass es vermutlich kein jüdisch dominiertes Siedlungsgebiet gab, z.B. eine „Judengasse“. Die Französische Straße dagegen bezieht sich auf die Ansiedlung von Hugenotten.
Der einzig heute sichtbare Beleg für Müncheberger Bürger jüdischen Glaubens ist der Friedhof.
Er enthält etwa 60 Grabsteine, die zwischen 1763 und 1932 aufgestellt wurden. Isaac Mann und Elias Hirsch kauften das Grundstück 1756.



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Die ältesten Grabsteine: Elias Hirsch (1763), Feigele Elias Hirsch (1767) und Reisel Seew (1775), links vom Haupttor, Osten



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Gräber zwischen 1800 und 1845, links vom Hauptor Richtung Osten



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Gräber zwischen 1846 und 1902 rechts vom Haupttor Richtung Westen



Der Friedhof hat den Nationalsozialismus relativ gut überstanden. Deutliche Schäden entstanden erst gegen Ende des 2. Weltkriegs. Ab 1988 wurde begonnen, die Anlage wieder in einen würdevollen Zustand zu bringen. Für 1992 ist eine Schändung nachgewiesen, die 1994 zu einer Verurteilung wegen „gemeinschaftlicher Volksverhetzung in Tateinheit mit Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung“ führte.



Anfahrt zum Friedhof: In Müncheberg die Bundesstraße 5 nach Frankfurt (Oder), in die Tempelberger Straße einbiegen und in den Eggersdorfer Weg, auf der linken Seite.
Weitere Informationen in: Illing, R. (1995): Die Juden der Stadt Müncheberg. Magisterarbeit, Freie Universität Berlin, 254 S.


Müncheberg liegt an den Bundestrassen 1/5 in Richtung Frankfurt (Oder) etwa 50 km vom Zentrum Berlins entfernt. Die Regionalbahn in Richtung Osten fährt jede Stunde von Lichtenberg aus. Vom Bahnhof Müncheberg dann eine Busverbindung in die Stadt. Diese verkehrt jedoch sehr unregelmäßig und es bedarf geduldiger Wartezeit.

Im Ort ist das Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF) der größte Arbeitgeber. In der Nähe lädt der Naturpark Märkische Schweiz zu einem Besuch ein.


Seelow


Das Oderbruch

Beim Oderhochwasser von 1997 stand das Oderbruch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wegen drohender Deichbrüche waren 20 000 Einwohner und eine intensive Landwirtschaft hochgradig gefährdet. 4 500 Bewohner und fast alle Nutztiere wurden damals vorsorglich evakuiert.
Das Bruch stellt heute den größten Flusspolder der Bundesrepublik Deutschland dar und entstand durch wasserbauliche und meliorative Arbeit vieler Jahrhunderte. Es ist 80 km lang, 4 bis 16 km breit und nimmt eine Fläche von etwa 80 000 ha ein. Die Höhe über dem Meeresspiegel der Ostsee beträgt im Süden 12 m, im Norden nur noch 2,3 m. Der Höhenabfall von Ost nach West erreicht 3 bis 4 m.
Wegen dieses Höhenabfalls floss die Oder ursprünglich am Westrand des Bruchs, in der Tiefenlinie entlang der Lebuser bzw. Barnimer Platte. Mit Deichbauten im Laufe mehrerer Jahrhunderte wurde die Oder schrittweise an den Ostrand des Bruchs verlegt. Der Mittelwasserspiegel der Oder liegt heute über dem Niveau der Niederung. Daher die Hochwassergefährdung der Region. 1947 stand das gesamte Oderbruch nach einem Deichbruch zwischen Reitwein und Küstrin-Kietz unter Wasser. Die verschiedenen Zeiträume der Entwässerung und die geringe Höhe über dem Meeresspiegel führten zu unterschiedlicher Nutzung: im Süden mehr Ackerland, im Norden dagegen überwiegend Grünland.
Die letzte große wasserbauliche Maßnahme fand zwischen 1747 und 1753 unter dem Preußenkönig Friedrich II. statt Er ließ einen Kanal von Güstebiese (heute Gozdowice) nach Hohensaaten bauen. Dort fließt heute die Stromoder. Die Alte Oder floss über Wriezen und Bad Freienwalde. Am 2. Juli 1753 um 11.00 Uhr konnte nach 6 Jahren Bauzeit der Neue Oderkanal freigegeben werden. Der 250. Wiederkehr des Ereignisses wurde mit dem im Bild dargestellten Stein auf dem Deich bei Güstebieser Loose gedacht.



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Der König gab seinerzeit für die Melioration des nördlichen Oderbruchs 600 000 Taler aus. Auf dem Land siedelte er Kolonisten aus ganz Europa an, zunächst als Anreiz von Abgaben und Diensten befreit, später natürlich Steuerzahler und Soldaten. (Nach der Bruchmelioration führte der König den Siebenjährigen Krieg: Kosten 139 Millionen Taler, 180 000 tote Soldaten und 220 000 tote Zivilsten.)
Auf den nach 1997 sanierten oder neu gebauten Deichen sind gute Radwege entstanden. Die bereits erwähnte unterschiedliche Verteilung von Ackerland und Grünland lässt sich von dort aus gut erkennen. Reichen im Süden und im Zentrum des Bruchs meist Ackerflächen an den Deich heran, so nimmt nach Norden der Grünlandanteil zu. Die dort notwendige intensive Entwässerung wird durch eine Vielzahl kleiner Schöpfwerke (Pumpstationen) realisiert.
Während der Deichfahrt kommt der Fahrradwanderer durch eine dünn besiedelte Randregion, in der sich die Einwohnerzahl dem Wert von nur 40 Personen pro Quadratkilometer nähert. Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert oder ist rückläufig, obwohl der fruchtbare Boden eine leistungsfähige landwirtschaftliche Produktion mit sich anschließendem Verarbeitungsgewerbe möglich machen würde. Der Raum Genschmar-Bleyen, auf halber Strecke zwischen Lebus und Hohenwutzen, hielt Mitte 2003 den Arbeitslosenrekord der Bundesrepublik mit 60 Prozent.
In Kienitz-Dorf steht in Dorfmitte ein Panzer des Typs T 34. Er erinnert an den ersten Brückenkopf der Roten Armee im Frühjahr 1945.
Anfahrt: Stündlich mit der RB 26 von Berlin-Lichtenberg nach Küstrin-Kietz/Kostrzyn.

Weiterführende Literatur für Ziele im Oderbruch: Carmen Winter: Das Oderbruch – Liebe auf den zweiten Blick. Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer. Findling-Verlag, ISBN 3-933603-27-7, 9,50 €


Groß Neuendorf im Oderbruch

1847 wurde die jüdische Gemeinde Letschin/Groß Neuendorf gegründet. 1865 begann der Bau der Synagoge in Groß Neuendorf. Sie kam als Anbau an das Wohnhaus für die Arbeiter der Firma Sperling. Türen und Fenster erhielten Spitzbögen. 1882 hatte die Gemeinde 14 Mitglieder. 1895 erfolgte die Vereinigung der Gemeinde mit dem Seelower Synagogenbezirk. 1910 fand in Groß Neuendorf der letzte Gottesdienst statt.

Die Synagoge überstand die Nazizeit.

Nach 1945 entstand aus der leerstehenden Synagoge ein Wohnhaus. Der Synagogenbau ist im Hof des Hauses Straße der Freundschaft Nr. 32, Richtung Ortwig, noch gut erhalten. Zur Zeit schlecht zugänglich, weil der Bewohner den Zugang als Baustelle erklärt hat.





Der Friedhof der jüdischen Gemeinde, etwa in nördlicher Richtung gelegen, wurde 1992/94 restauriert.



 



Der Weg dorthin ist ab der Kirche ausgeschildert.
 Früher hatte Groß Neuendorf einen bedeutenden Hafen an der Oder, der von 1911 bis 1970 von der Oderbruchbahn bedient wurde. Die Bahn ist inzwischen stillgelegt worden.


Im Ort befindet sich die „Galerie im Oderbruch“ mit vielfältigem Programm, z.B. Fotografie oder Kochkunst. Geöffnet Sonntag 14.00 bis 18.00. Telefon 033478-4541 oder www.kochundkunst.de.


Sehr zu empfehlen ist das Radwandern auf dem sanierten Oderdeich. Besonders schön ist z.B. der Abschnitt zwischen Kienitz und Groß Neuendorf. Fahrradausleihe im Ort oder Telefon 033456-71249 bzw. www.odertour-radreisen.de oder info@odertour-radreisen.de.


In Kienitz und Groß Neuendorf gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten. Gutes Essen wird im Landfrauenrestaurant Groß Neuendorf geboten.


Kreisstadt Seelow

Die erste urkundliche Erwähnung von Seelow findet sich in einem Vergleich des Erzbischofs von Magdeburg mit dem Bischof von Lebus aus dem Jahre 1252. Der Ortsname Seelow hat altslawische Wurzeln. In der Zeit der slawischen Besiedlung bildete sich zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert das Land Lebus heraus. Zunächst Teil des polnischen Staates, gehörte die Region später zum Bistum Lebus. Zwischen 1598 und 1808 war Seelow eine Kurfürstliche Mediatstadt. 1624 hatte die Stadt 670 Einwohner. Während des Dreißigjährigen Krieges teilweise menschenleer, erreichte die Einwohnerzahl im Jahre 1714 wieder 824. Von 1816 bis 1950 war Seelow die Kreisstadt des Kreises Lebus. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam der Begriff Zickenseelow auf. Die Kleinbürger hielten Ziegen als Milchlieferanten, weil diese im Gegensatz zu Kühen steuerfrei waren. Eine jüdische Gemeinde bestand zwischen 1737 und 1942. 1878 lebten in Seelow etwa 60 Bürger jüdischen Glaubens. 1897 vergrößerte sich der Synagogenbezirk. Trotzdem ließen sich 1930 im Bezirk nur noch 17 Personen nachweisen. Heute sind keine Reste vorhanden, die an jüdisches Leben erinnern. 1817 bis 1819 erfolgte der Straßenausbau nach Müncheberg und Küstrin. Davor verlief die Straßenverbindung von Berlin zur wichtigen Festung Küstrin weiter südlich über Dolgelin, Sachsendorf und Manschnow. 1876 erhielt Seelow einen Bahnanschluss. 1912 kam die Oderbruchbahn nach Wriezen bzw. Fürstenwalde hinzu, die in einem kleinen Abschnitt noch bis 1994 in Betrieb war. Vom 16. bis 18.4.1945 fand die Schlacht um die Seelower Höhen statt. Dabei wurde der Turm der von Schinkel architektonisch beeinflussten Kirche gesprengt, weil er für die Artillerie der Roten Armee einen Orientierungspunkt darstellte. Das kirchliche Leben war während der Nazizeit von der Bekennenden Kirche geprägt. An die Schlacht erinnert heute die Gedenkstätte Seelow, naturgemäß mit einem starken Bezug auf die Gefallenen der Roten und der Polnischen Armee. Das Denkmal, siehe Bild, wurde schon 1945 auf Befehl von Marschall Shukow, dem sowjetischen Oberkommandierenden, nach einem Entwurf des Bildhauers Lew Kerbel errichtet. 1946 kam seine Bronzeplastik zur Aufstellung. 1987 hatte Seelow mit 5628 Einwohnern die höchste Einwohnerzahl seiner Geschichte, 2002 waren es immerhin noch 5403 Einwohner, plus etwa 1700 Tagespendler. Ab 1993 ist Seelow die Kreisstadt des Kreises Märkisch-Oderland.

Die Seelower Höhen

Die Seelower Höhen heißt das Gebiet, auf dem die letzte große Schlacht zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht ab dem 16.April 1945 , bevor Berlin eingenommen wurde, stattfand.

Heute gibt es dort eine Gedenkstätte mit Museum, welche aus einem sowjetisch Soldaten Friedhof, einer überlebensgroßen Bronzefigur eines Rotarmisten, ausgestellten Militärfahrzeugen (Artillerie, Panzer) und einem Museumsraum besteht.

Der Soldatenfriedhof ist auf der Anhöhe gelegen, von der es möglich ist, einen großen Teil des Schlachtfeldes einzusehnen. Mittlerweile ist dies Ackerland, in dem noch immer Rückstände des Krieges zu finden sind.

Das Museum ist äußerlich in dem Stil eines Bunkers angelegt und wurde 1972 gegründet.
Es erhebt an sich den Anspruch, laut einer Museumsführung, bzw. einer Ergänzung nach der „Wende“ im DDR-Museumsbegleitheft, ein Antikriegsmuseum zu sein und „das Leiden der Menschen in Uniform und Zivil (...) zu erinnern.“ (aus dem aktuellen Museeumsbegleitheft S. 47). Nach einer Besichtigung des Museums sind wir allerdings anderer Ansicht, denn es wird ausschließlich der Verlauf der Schlacht von 1945 dargestellt, mensch kann die Uniformen der Sowjetsoldaten und Landser vergleichen und wir erfahren, dass "Ostpreußen verloren gegangen" ist, aber die deutliche Aufforderung Krieg zu verhindern war nicht zu finden. Ebenso wurde nicht deutlich, an welchen Punkten an das zivile Leid erinnert wird. Im Eingangsbereich der Gedenkstätte befindet sich zwar eine Wand mit zusammen gewürfelten Kriegsbildern auf denen auch nicht uniformierte Personen zu sehen sind. Allerdings ist es fragwürdig, ob die Abbildung von "kleinem Kind mit Katze im Trümmergebiet" die Zivilbevölkerung verkörpert.
Die Gedenkstätte möchte einen Beitrag zur Aussöhnung der Nationen leisten, damit eine gemeinsame Zukunft möglich ist. Mit einer Tafel in der Ausstellung wird das Gedenken der Opfer auf russischer und deutscher Seite gleichwertig gegenüber gestellt. Ob das der richtige Weg ist bleibt fraglich.

Wer sich diese Gedenkstätte zu Gemüte führen möchte, sollte sich innerlich nicht auf ein Antikriegsmuseum einstellen, sondern ausschließlich ein ausgeprägtes Interesse für militärische historische Einzelheiten besitzen.


Gedenkstätte und Museum Seelower Höhen

Folgt man der Bundesstraße 1 aus der kleinen Stadt Seelow hinaus Richtung der deutsch- polnischen Grenze, so bekommt man kurz vor dem Ortsausgangsschild auf der rechten Seite einige sowjetische Militärfahrzeuge und Artilleriegeschütze zu sehen.

Sie sind Teil einer seit dem 27. November 1945 bestehenden Gedenkstätte, die auf sowjetischer Initiative hin errichtet wurde, um der mehr als 33.000 Soldaten der Roten Armee und den ca. 5000 Soldaten der 1. Polnischen Armee zu gedenken. Vom 16.April 1945 an begannen die beiden Armeen die letzte militärische Verteidigungslinie des faschistischen Deutschlands zu zerschlagen.

Drei Ehrenmale des sowjetischen Künstlers Lew Kerbel kennzeichnen den Weg der 1. Belorussischen Front nach Berlin, eines in der heutigen Grenzstadt Küstrin, ein weiteres in Seelow und das Dritte im Berliner Tiergarten. Das Seelower Ehrenmal ist auf einem ehemaligen Ausflugsberg errichtet und von einem sowjetischen Soldatenfriedhof umgeben. Von hier aus lassen sich noch heute Stellungsreste und das damalige Kampffeld überblicken.

Ergänzt wurde die Freiluftausstellung 1972 durch ein kleines Museum, welches bis heute existiert.
Aus Anlass des 40. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus wurde es 1985 erweitert, umgebaut und mit zahlreichen Objekten ergänzt.
In der DDR repräsentierten das Ehrenmal und die Gedenkstätte das antifaschistische Selbstverständnis. Sie wurden in eher propagandistischer Absicht genutzt, um Vereidigungen von Soldaten der NVA (Nationale Volksarmee), Jugendweiheveranstaltungen sowie die feierliche Aufnahme von Mitgliedern der Pionier-, FDJ- oder Parteiorganisationen zu vollziehen.

Das Museum heute versteht sich als ein Antikriegsmuseum. Die jetzige Ausstellung wurde im Jahre 2000 überarbeitet und entfernte Ausstellungsinszenierungen der DDR- Geschichtsschreibung.
Gleichzeitig wird nun den ca.12.000 deutschen Soldaten- und Volksturmgefallenen ein den sowjetischen und polnischen Gefallenen gleichwertiger Platz eingeräumt.
In der Ausstellungslogik werden neben den alliierten Soldaten, ebenso die Soldaten der Wehrmacht, der SS und des deutschen Volkssturms zu Opfern des Krieges gemacht.
Allerdings sucht man, in dem vom Landkreis Märkisch - Oderland betriebenen Museum, vergeblich eine Würdigung deutscher Deserteure. Diese wurden von Standgerichten der Wehrmacht auf Befehl der jeweiligen Regimentskommandeure zu Tode verurteilt oder von SS - Hinrichtungskommandos erschossen, weil sie sich dem sinnlosen „Endkampf“ zu entziehen versuchten.

Neben den Ausstellungsobjekten ist es auf Anfrage fast jederzeit möglich, in einem kleinen Kinosaal militärhistorische Filme über die Schlacht um die Seelower Höhen und die Berliner Operation anzuschauen. An der Museumskasse sind darüber hinaus Ausstellungsbroschüren, sowohl der DDR- Ausstellung als auch der Neubearbeitung erwerbbar.
Am Ehrenmal und den sowjetischen Soldatengräbern können zu jeder Tages- und Jahreszeit Blumen niedergelegt werden.


Seelower Höhen und Tiefen

Die Gedenkstätte Seelower Höhen ist zweifelsohne ein sehr widersprüchlicher Ort, der sich irgendwo zwischen einem Wallfahrtsort und Heimatmuseum bewegt und in gutgemeinter Naivität zum Ende des 2. Weltkrieges Auskunft geben möchte. Um bei diesem Thema alle möglichen politischen Positionierungen zu vermeiden, zeichnet sich die Ausstellung wie auch die Gestaltung des Museums durch eine gewisse Beliebigkeit aus, die einen auswärtigen Betrachter solange vor grössere Rätsel stellt, bis sich dieser einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Museums gewidmet hat. So ist der Gestaltung der Außenanlagen anzusehen, dass dieser Ort sicherlich nie ein der Auseinandersetzung mit Krieg im allgemeinen oder besonderen gewidmeter Ort war, sondern immer ganz speziell auf die Schlacht an den Seelower Höhen fokussierte. Dabei ist unschwer vorstellbar, dass zu DDR Zeiten dieses Museum in erster Linie dem Ruhm und der Ehre der Sowjetsoldaten gewidmet war und ihrer Verluste und heldenhaften, weil opferreichen Kämpfe in den Mittelpunkt stellte. Dass dieser Fokus mit dem Fall der DDR ebenso aufgegeben wurde, wie jeder andere positive Bezug auf die Sowjetarmee, ist bekannt und überrascht nicht sonderlich. Gleichzeitig wird an dieser kleinen, aber historisch überkodierten Gedenkstätte deutlich, wie schwer es offensichtlich fällt, dieses Vakuum zeitgemäß zu füllen. Viele angebotenen Deutungsmuster zu dieser Schlacht sind nicht nur lächerlich, sondern angesichts der historischen Bedeutung fast beleidigend profan. ("Hier zeigt sich, wie einfach es ist, Kriege zu beginnen, doch wie schwer es fällt, sie zu beenden.." oder "Täter-Opfer-neue Opfer - Die Spirale der Gewalt" - Zitate aus der Ausstellung bzw. dem begleitenden Film "Roter märkischer Sand"). Hervorzuheben ist das wiederholte Betonen vom Verlorengegangensein von Gebieten östlich der Oder. Obwohl den Betreibern des Museums mit Sicherheit keine geschichtsrevisionistische Absicht zu unterstellen ist, ist hier - wenn auch vielleicht unbeabsichtigt - revisionistischer Sprachgebrauch und Bewertung ganz offen zu finden. Das geht einher mit Tendenzen, die politischen Hintergründe zu verwischen, sich auf militärische Fakten und Zahlen zu konzentrieren und so bei einem nicht vorgebildeten Betrachter den Eindruck zu hinterlassen, dass diese Schlacht als ein schlimmes, erschreckendes Geschehen zu betrachten ist - keiner wollte so richtig mehr kämpfen, alle hatten große Verluste und alles war irgendwie ganz schlimm... Neben militärischen Berichten, Fotos und Ausstellungsgegenständen (z.B. eine japanische Fliegermütze, die ein deutscher Kriegsgefangener in Kriegsgefangenschaft trug), werden kaum politische Hintergrundinformationen oder Einschätzungen präsentiert. Gleichzeitig sind die wenigen Texte auf den Ausstellungstafeln wiederum überraschend banal und nichtssagend, zuweilen aber auch tendentiös und verharmlosend. (so z.B. heisst es in der Ausstellung "Das Ende des 2. Weltkrieges im Osten Europas begann am 12. Januar 1945 mit der Winteroffensive der Roten Armee. In den folgenden Monaten ging Ostpreussen verloren." oder aber: "Die Heimat wurde erst Kriegsgebiet und ging ostwärts der Oder verloren.") Im Widerspruch dazu steht die Gestaltung der Aussenanlagen, die sowjetische Artillerie und Panzer mit Stolz präsentiert, und nach wie vor Ruhm und Ehre dem sowjetischen Soldaten zollt. Diese Art der Widersprüchlichkeit, die sich ebenso in der Auswahl der angebotenen Literatur zum Thema weiterführt, wo neben einem Wanderführer durch das Oderbruch die historischen Analysen von Revanchisten wie Guido Knopp neben Analysen und Berichten von Stefan Doernberg, ehemaligem Politkomissar in der Roten Armee, ausliegen, ist nur durch einen völlig mißverstandenden Begriff von Pluralismus und Demokratie zu erklären. Daher wird sich dann letztendlich aus lauter Hilflosigkeit auf objektivere Fakten, wie Truppenstärke und die Anzahl der vorhandenen Waffengattungen konzentriert. Insgesamt ist das Museum als Zeugnis geschichtlicher Umdeutung und Hilflosigkeit höchst sehenswert, wie auch verrostetes Militärwissen hier gut aufpoliert werden kann. Darüber hinaus ist es durchaus eindrucksvoll, zu erleben, dass dieses vielfrequentierte Museum für viele - vor allem ältere - Menschen von großer persönlicher Bedeutung ist - unabhängig was dort ausgestellt wird, sondern vielmehr als Ort des Gedenkens und Erinnerns, wo oft Kränze niedergelegt werden oder auch einfach nur spaziert wird. Wer aber Interesse am Ausgang des zweiten Weltkrieges hat, der sollte vor dem Besuch der Seelower Höhen Zeit für eine Besichtigung des Museums in Karlshorst (heute: "Deutsch - Russisches Museum", früher: "Museum der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands") finden, wo das notwendige Wissen zur Verfügung gestellt wird, die Ausmaße dieses Krieges, wie auch die Rolle und Bedeutung der Seelower Höhen zu begreifen und die Ausstellung in den Seelower Höhen verstehen und einordnen zu können.

KZ-Außenlager Wulkow

Zwischen Wulkow und Neuhardenberg, Kreis Märkisch-Oderland, steht kurz hinter dem Ortsausgangsschild auf der linken Seite ein Gedenkstein.Vom 2.3.1944 bis zum 3.2.1945 gab es dort ein Außenlager für jüdische Häftlinge aus dem KZ Theresienstadt. 60% kamen aus Böhmen und Mähren, 60% aus Deutschland. Maximal sind 260 Häftlinge nachgewiesen. Es war ein Baulager, das vermutlich den Bau eines unterirdischen Bunkers vorbereiten sollte. Das Lager befand sich beiderseits der Straße Wulkow-Neuhardenberg im Kiefernwald. Es sind keine Exekutionen bekannt geworden. Auch an der Straße von Hermersdorf nach Wulkow steht an der rechten Seite ein Gedenkstein, der an dieses Lager erinnert. Die nächste Bahnstation ist Trebnitz an der Regionalbahn von Berlin-Lichtenberg nach Küstrin-Kietz-Kostrzyn. Die Züge fahren alle 2 Stunden. Umgebung: Neuhardenberg wurde nach dem Staatskanzler Fürst von Hardenberg benannt, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Stein-Hardenbergschen Reformen in Preußen einleitete. Er ließ sich vom Baumeister Schinkel Kirche, Ortslage und Schloss gestalten. Das klassizistische Schloss entstand 1820 bis 1822. 1944 war der damalige Besitzer, Graf C. H. von Hardenberg, an der Vorbereitung des Attentatsversuches gegen Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt. Er wurde verhaftet, enteignet und kam in das KZ Sachsenhausen. Die Bodenreform enteignete ihn erneut und der Ort erhielt am 1. Mai 1949 den Namen Marxwalde. Die Karl-Marx-Büste steht noch heute am nördlichen Ende des Dorfangers. Am 1.1.1991 wurde der Ort in Neuhardenberg rückbenannt. Weil die Familie schon von Hitler enteignet worden und damit die Bodenreform nicht relevant war, erhielt die Familie den im Staatseigentum befindlichen, also nicht durch die Bodenreform aufgeteilten Besitz, von der Treuhand zurück. Dazu gehörten Schloss und Park, die an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband verkauft wurden. Es entstand die Stiftung Schloss Neuhardenberg, die im Sommer u.a. ein anspruchsvolles, international ausgerichtetes Kulturprogramm anbietet. Für einige Veranstaltungen wird von und nach Berlin eine Busverbindung aungeboten: http://www.schlossneuhardenberg.de. In Altfriedland kann man baden, die Reste eines Zisterzienserinnenklosters von 1250 besuchen und Fisch kaufen. Die Busausflugslinie Märkische Schweiz Nr. 930 ab Bahnhof Müncheberg lässt sich zur Anfahrt nutzen: http://www.punkt3.de

Oberhavel

  • Landkreis im Norden Brandenburgs
  • Fläche: 1.795 km²
  • Einwohner: 194.022 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: OHV



Städte und Gemeinden:



Oranienburg (Kreisstadt), Fürstenberg, Hennigsdorf


Fürstenberg


Oberspreewald-Lausitz

  • Landkreis im Süden Brandenburgs
  • Fläche: 1.217 km²
  • Einwohner: 141.959 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: OSL

Städte und Gemeinden:



Senftenberg (Kreisstadt), Calau, Lauchhammer, Lübbenau, Vetschau


Snowtropolis

… und nicht nur in Bad Freienwalde ist Wintersport angesagt, nein, nun kann mensch auch im allertiefsten Süden Brandenburgs, der sogenannten Niederlausitz, Schnee- und Winterfreuden genieszen, und dies das ganze Jahr über - yippie. Im März 2003 eröffnete in Senftenberg die erste Indoor Skipiste Ostdeutschlands – „SNOWTROPOLIS“
Gleich neben dem Tiroler Stadl mit Bowlingbahn, Eislaufhalle (im Winter) und Tennishalle (im Sommer) hat mensch nun die Möglichkeit auf einer 300 m langen Piste mit 22-25% Gefälle dem Ski- und Snowboard- Vergnügen zu frönen.

Täglich von 10 – 24 Uhr hat das Wintersportparadies geöffnet.
Und gleich am Eingang darf mensch tief in die Tasche greifen, denn für die Skipasspreise (da fühlt mensch sich doch gleich wie in Tirol...) ist einiges an Scheinen hinzublättern.

Skipasspreise (Wochenende, 2 h, Erwachsene: 16 €; Kinder: 12 €; 8 h Familienticket: 59 €)
Bei allen Karten zusätzlich 6 € Pfand und sie sind nur am Tag des Erwerbs gültig.

Wer noch keine Skiausrüstung hat… kein Problem - diese kann ausgeliehen oder (mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche) gleich käuflich erworben werden. Wer unentschlossen ist, ob Skisport wirklich die richtige Sportart ist, der begibt sich zum Verleih und musz - wie kann es anders ein – erst einmal löhnen. (Ski+Stöcke+Schuhe bzw. Snowboard+Boots, Erwachsene: 8,-€)

...und was es im Verleih für tolle Angebote gibt: Ski unbd Snowboards in hochwertiger Materialqualität und auch noch mit passenden Schuhen. Die Bretter sind „made in Austria“, mit freestyle-Bindungen...alles in allem klingt dasz nach ganz schöner Angeberei.

So, nun, nachdem die Ausrüstung angelegt ist kann es losgehen. Auf den Lift geschwungen und die Piste runtergesaust…und wer noch nicht so geübt ist, dem/der kann auch weitergeholfen werden. Wo so ein richtiges Snowtropolis ist, da kann mensch natürlich auch professionellen Unterricht erwarten und sogar noch wählen: Einzel- und Gruppenkurse werden angeboten.


Nachdem mensch sich nun eine Stunde lang den Hang hoch und wieder herunterbewegt hat, und ein Päuschen braucht, der/die ist natürlich hier in der gastfreundlichen Niederlausitz am allerbesten aufgehoben. Die persönlich Apré-Ski-Party sollte in dem betriebseigenen Café und der Bar stattfinden, wo Kaffee und Cocktails (und sicherlich auch das eine oder andere Weißbier) angeboten werden. Und um auch noch etwas fürs ego zu bieten, hat mensch in der Lokalität, per Panoramablick auf die Piste, die Möglichkeit, sich die anderen Wintersportler zu Gemüte zu führen und vielleicht stellt sich ja jemand noch brasslicher an, als mensch selbst. Aber mit ein biszchen Übung kann ein/e Jede/r zur Abfahrtsolympiade zugelassen werden. Und wenn dann noch die Trainingsmöglichkeiten vor der Haustür quasi zu finden sind… ich meine bei einer Arbeitslosenquote von 25% in Senftenberg (natürlich versucht die Stadt mit Tourismus die Infrastruktur in Schwung zu bringen, doch der sichtbare Erfolg läszt wohl noch auf sich warten...) hat mensch wahrscheinlich eh nicht viel anderes zu tun und Sport an der frischen Luft soll ja gesund sein. Und lohnen tut es sich wahrscheinlich auch. Immerhin wird das Ding von Skiverbänden aus Brandenburg und Sachsen genutzt, und von Normalos als kleines Schneevergnügen zwischen Winterurlauben und zur Übung... (*kopfschüttel*)

ski heil – und wann kommt die Rodelbahn???


Oder-Spree

  • Landkreis im Osten Brandenburgs
  • Fläche: 2.242 km²
  • Einwohner: 195.670(Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: LOS

Städte und Gemeinden:



Beeskow (Kreisstadt), Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde


Eisenhüttenstadt


Entwicklung von Eisenhüttenstadt

Eisenhüttenstadt (EHS) liegt an der Oder, zwischen Frankfurt (Oder) und Guben, in der DDR Wilhelm-Pieck-Stadt Guben genannt. EHS ist im Stundentakt über Fürstenwalde und Frankfurt (Oder) mit dem Regionalexpress erreichbar. Dann ist ein Bus zu empfehlen. Mit dem Automobil muss man die A 12 und die B 112 nehmen. EHS entstand auf ärmsten Sandboden mit Kiefernheide als Wohnstadt für das Eisenhüttenkombinat Ost. Dort sollte mit polnischer Kohle aus sowjetischem Erz deutscher Friedenstahl geschmolzen werden. Außerdem stand die Aufgabe, eine periphere Region zu entwickeln und für den sozialistischen Aufbau zu erschließen. (Eine ähnliche Zielstellung galt für das nördlicher gelegene Schwedt.) EHS sollte eine sozialistische Stadt werden. Außerdem war und ist EHS die erste und einzige völlig neue Stadtgründung auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland, eine 1950 gegründete Planstadt. Sie erhielt 1953 den Namen Stalinstadt. Nach dem Ende des Personenkults um Stalin erfolgte 1960 die Umbenennung in Eisenhüttenstadt, unter Einbeziehung der bis dahin selbständigen alten Stadt Fürstenberg (Oder). EHS hatte 1988 mehr als 53 000 Einwohner. In der Gründungsphase von EHS entstanden zunächst schrittweise vier Wohnkomplexe, welche heute die Entwicklung von Architektur und Städtebau in den fünfziger und sechziger Jahren demonstrieren. Später kamen weitere Bereiche dazu. Die ersten Wohnkomplexe, die heute komplett unter Denkmalschutz stehen, sollten jeweils Wohn- und Lebensraum für 5 000 bis 7 000 Menschen bieten: mit kurzem Weg zur Arbeit im Kombinat, als Grundeinheit der Organisation des politischen und kulturellen Lebens, konzipiert und gebaut als Gartenstadt im Klassizismus der „Nationalen Bautradition“, mit Kindergärten, Schulen, Spielplätzen, Grünachsen und Geschäften in jedem Komplex.

[image:236]
Plan der Wohnstadt EKO, heutiger Stand

[image:235]
Stadtbebauungsplan von 1953
Quelle: Die Planstadt, Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH, 2000, 108 S.

Im Eisenhüttenkombinat arbeiteten 1989 mehr als 12 000 Beschäftigte, heute (2002) nur noch 2 700. Die Einwohnerzahl der Stadt sank von 53 000 auf weniger als 47 000. Probleme sind daher Wohnungsleerstand und Sanierung/Modernisierung der denkmalgeschützten Bausubstanz. Gute Beispiele für Letzteres sind zu sehen und werden auch bei Stadtführungen vermittelt. Stalinstadt besaß nie ein Stalindenkmal. Auf dem Platz des Gedenkens, früher Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, befindet sich ein sowjetischer Ehrenfriedhof mit einem Obelisk für gestorbene Kriegsgefangene, deren sterbliche Überreste beim Bau des Kombinats gefunden wurden. (Die Wehrmacht errichtete ab Herbst 1939 am Rande von Fürstenberg (Oder) das Kriegsgefangenlager-Stammlager III B ein, ausgelegt für 10 000 Kriegsgefangene. Bis zu 30 000 Gefangene arbeiteten in den zahlreichen Außenlagern.) Das frühere „Haus der Parteien und Massenorganisationen“ ist heute das Rathaus. Als Hauptverbindung zwischen Wohnstadt und Eisenhüttenkombinat und gleichzeitig Demonstrationsachse sollte die Leninallee dienen, heute Lindenallee. Aus dieser frühen Planungsphase wurde nur das Friedrich-Wolf-Theater realisiert, ein neoklassizistischer Musentempel. Später kamen bis Anfang der neunziger Jahre Stahlbetonskelettbauten und andere Bauweisen zur Ausführung. Daher bietet die Straße derzeit kein einheitliches Architekturbild. Der frühere Kindergarten im I. Wohnkomplex, gut proportioniert mit fünf Gebäudeflügeln um einen Innenhof mit Brunnen, beherbergt heute eine Tagesstätte für schwerst behinderte Kinder. Der ehemalige Kindergarten im II. Wohnkomplex dient jetzt dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

Schönes und Unschönes in Eisenhüttenstadt

Im Raum Eisenhüttenstadt befindet sich die Zentrale Ausländerbehörde des Landes Brandenburg mit entsprechenden Unterkünften.

Museen und Informationen
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Erich-Weinert-Allee 3, Telefon 03364-417355

Museum der Stadt im Ortsteil Fürstenberg (Oder)
Löwenstraße 4, Telefon 03364-2146

Feuerwehrmuseum im Ortsteil Fürstenberg (Oder)
Heinrich-Pritzsche-Straße 26, Telefon 03364-28243

Fremdenverkehrsverband Oder-Neiße-Region
Lindenallee 2a, 15890 Eisenhüttenstadt
Telefon 03364-413690, Fax 03364-413697
E-Mail info@fvv-oder-neisse.de, www.fvv-oder-neisse.de


Umgebung Eisenhüttenstadt

Fürstenberg (Oder)

Gegründet im 13. Jahrhundert. Der mittelalterliche Stadtgrundriss ist noch gut erkennbar. Reiche Reeder und andere Bürger haben sich u.a. schöne Jugendstilvillen bauen lassen, z.B. das Haus Löwenstraße 4, heute Museum. Das Korbmacherhandwerk auf der Grundlage der eingeführten und gut wachsenden Amerikanischen Korbweide war verbreitet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand eine starke wirtschaftliche Bindung an das nahe gelegene Kloster Neuzelle. Als günstige Verkehrsverbindung kam 1891 der Oder-Spree-Kanal hinzu.



Kloster Neuzelle

Als Zisterzienser-Kloster 1268 gegründet. Aufhebung des Klosters erst 1817 nach dem erzwungenen Abtritt der Niederlausitz von Sachsen an Preußen. (Im Kampf gegen Napoleon waren die Preußen auf der siegreichen Seite.) Wegen der langen Bindung der Region an die Königreiche von Böhmen und Sachsen entwickelte sich eine barocke Umgestaltung der ganzen Anlage. Museumsbesuch und Klosterführungen über: Tourismus-Information, Stiftsplatz 7, 15898 Neuzelle, Telefon 033652-6102; Kirche Telefon 033652-282. Viele Gaststätten. Klosterbrauerei mit Führung und Verkostung: Klosterbrauerei Neuzelle GmbH, Brauhausplatz 1, Telefon 033652-8100.
Mündung der Neiße in die Oder bei Ratzdorf. Ziltendorfer Niederung, die nach dem Bruch des Oderdeichs 1997 völlig unter Wasser stand.



Naturpark Schlaubetal


227 km2 zwischen Müllrose im Norden und dem Braunkohlengebiet von Jänschwalde im Süden. Der Forst früher weitgehend im Eigentum des Klosters Neuzelle. Schöne Wanderwege mit ausreichender Bewirtung. Naturparkverwaltung: 15898 Treppeln, Telefon 033673-422. Bauermuseum Möbiskruge und Schäfereimuseum Pohlitz.



Beeskow

Stadtrecht seit 1285, gut erhaltene Stadtmauer, mittelalterlicher Stadtgrundriss. Die Stadtkirche St. Marien erhielt vor kurzem ein neues Dach, eine bemerkenswerte Leistung von Zimmerleuten und Dachdeckern. Die Burg auf der Spreeinsel beherbergt u.a. das Dokumentationszentrum Kunst der DDR: Frankfurter Straße 23A, 15848 Beeskow, Telefon 03366-20579.


Ostprignitz-Ruppin

  • Landkreis im Nordwesten Brandenburgs
  • Fläche: 2.509 km²
  • Einwohner: 111.878 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: OPR

Städte und Gemeinden:



Neuruppin (Kreisstadt), Kyritz, Wittstock, Neustadt (Dosse), Rheinsberg


Neuruppin

Anfahrt:
Neuruppin (Nrp.) erreicht mensch zum Beispiel über die A24 (Richtung Hamburg), von Berlin dauert das etwa eine Stunde. Wer kein Auto besitzt und auch nicht gerne trempt oder die Mitfahrzentrale benutzt, kann auch einfach den Bahnverkehr nutzen.
In Berlin ist es derzeit (Februar 2005) möglich von Charlottenburg, Spandau oder Henningsdorf per Bahn direkt nach Neuruppin zu fahren. Aus dem Norden ist es auch möglich über Neustadt/Dosse anreisen.

EinwohnerInnen
gibt es in Nrp. plus Gemeinden ringsherum etwa 32.000 (Menschen). Auf der Internetseite der Stadt Neuruppin wird für das Jahr 2004 im Gegensatz zu 2003, eine etwas geringerer Geburtenrate verzeichet. Allerdings stellen sie dort gleichzeitig fest, dass die Zuwanderungszahlen höher sind als die der Abwandernden. Eine Studie zur demographischen Entwicklung im Land Brandenburg (BB) vom Landesumweltamt BB, vorgestellt in einem Referat über Raumbeobachtung, hat besagt allerdings, dass sich auch Nrp.`s Bevölkerungszahlen negativ entwickeln werden.

Das Motto
der brandenburgischen Kleinstadt ist "Fontanestadt". Diesen Zusatztitel erhielt Nrp. im Jahr 1998, im sogenannten Fontane-Jahr in dem sich sein Todestag das 100ste Mal jährt, denn der bekannte brandenburger Schriftsteller wurde in Neuruppin geboren. Gestorben ist er aber nicht in Neuruppin, sondern in Berlin!


Gut oder weniger gut essen in Neuruppin

Das „Meditaran“
in der Wichmannstraße (Nähe Stadtmitte) – selbstgemachte Falafel, relativ gutes Angebot für VegitarierInnen, es sitzt sich dort nicht so schön, bezahlbar

Der „Dürum Döner“
in der Karl-Marx-Starße (liegt auf dem Weg vom Bahnhof Rheinsbergertor in die Stadtmitte) - gute Pizza und sogar Ayran, Döner kostet ca. 2€

Der Grieche
in der Bilderbogenpassage (sozusagen Stadtmitte) – viel Ouzo zum Essen und Feta in jeglichen Varianten, fleischlos sind eigentlich nur Vor- und Nachspeisen, Montags zu, Preise einer Gaststätte entsprechend

Das „Café & Art“
(Stadtmitte) - sehr guter Kaffee, Kunst aus der Gegend und es sitzt sich dort sehr nett mit „Leute auf der Straße beobachten“, kein Klo und kein Essen, allerdings sind die Preise stark gestiegen

Das „Schröders“
(am Eingang der Bilderbogenpassage) – hat auch guten Kaffee und man kann im Sommer draußen sitzen, es gibt ein bisschen Salate und so, der Milchkaffee kostet ca. 2€

In der Eisdiele
am Busbahnhof - kann man sich aussuchen, was in das Milch- oder Joghurteis für Früchte oder anderes wie Schoki, Knoblauch etc. gemischt werden sollen, es gibt zusätzlich auch Créps und Milchshake, Preisleistungsverhältnis sehr gut (mittlerweile tut sich das zusammen mit einem „Döner macht schöner“-Stand)

Das „Coffee Inn“
liegt bei der neuen Sparkasse – es muss am Thresen bestellt werden, wird aber zum Tisch gebracht, viele Kaffee und Tee Angebote, auch ein wenig zu beißen, mit Klo und Bücher Verkauf, öfter mal verraucht, wenige Sitzgelegenheiten Draußen vorhanden. Ab und zu Livemusik und Lesungen. mittlere Preisklasse

Es gibt natürlich noch mehr Orte an denen mensch in Neuruppin was essen kann, aber alle aufzuzählen wäre sinnlos.


Veranstaltungsorte

MittenDrin
(Schinkelstraße 15a) – alternatives Jugendzentrum mit verschiedenen Veranstaltungsangeboten, eigentlich jeden Abend Kneipe, Fahrrad-, Siebdruckwerkstatt + wohnen, Preiswert LINK: www.jwp-mittendrin.de

JG
(Rudolf-Breitscheidstraße 38) - Junge Gemeinde, Meditationsgruppe, Trommelgruppe etc., jeden Donnerstag Kino im kleinen Kreis (Eintritt frei) sowie jeden zweiten Samstag Veranstaltungen ab 20 Uhr, aber um 1.00 Uhr ist Feierabend, Eintritt und Bier Preiswert LINK: www.cafehinterhof.de

JFZ
(Fehrbelliner Straße …) – JugendFreizeitZentrum: Nachmittags Basteln und Internetcafé, Abends: Kneipe oder auch Kino, am Wochenende: Disko oder Konzerte LINK: www.jfz.de

Skaterpark
(Nähe Krankenhaus) – so´nen par Rampen halt, davon hab ich keine Ahnung – schreibt doch mal selber was über euern Park

Stadtgarten
(liegt beim Bahnhof Rheinsberger-Tor) – von Abibällen bis Rumtata alles dabei und leider oft sehr teuer


Rheinsberg

Klein und fein präsentiert sich der Ort inmitten schönster Wald- und Seenlandschaft. Trotz seiner nur knapp 5000 EinwohnerInnen schafft es das Städtchen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu sein. Oder kennen Sie Rheinsberg etwa nicht...? weiterlesen


Eine Fahrt von Rheinsberg nach Schwedt & zurück

von Ruth und Franziska


Die Fahrt von Rheinsberg über Fürstenberg, Lychen, Templin, Joachimsthal & Angermünde nach Schwedt ist langwierig, aber sie birgt einiges in sich. Im Frühling kann mensch die grünen Alleen, Mischwälder und Rapsfelder bewundern, die einem auf der Fahrt links und rechts von der Strasse
begleiten.

Auch ist der „Charme“ des Ostens ist nicht zu übersehen. Beim Durchqueren der Örtchen fällt auf, dass denen in den letzten 15 – 20 Jahren hauptsächlich eine Veränderung wiederfahren ist: Die Verbreiterung der Fahrbahn. Vielleicht, um den jeweiligen Ort schneller wieder aus dem
Rückfenster sehen zu können oder um den Anblick bei einer Durchreise nicht all zu lang ertragen zu müssen. Es kann sich aber auch um ein Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Automobilindustrie handeln, denn die Unfallraten in Brandenburg sind ja bekanntlich sehr hoch.


Die Autostrecke von Rheinsberg nach Schwedt vermittelt einen insgesamt umfangreichen Eindruck vom Bundesland Brandenburg.

Von Tourismus-Hochgebieten wie Rheinsberg, dessen Schloss Tucholksky ein Büchlein widmete, über Wälder wie Fontane sie beschreibt, zu historischen „Denkmälern“, die nicht als solche gekennzeichnet sind, dennoch die Spuren des vergangenen Jahrhunderts deutlich aufzeigen.



Nicht zu vergessen zu erwähnen wäre vor allem auch der Menschenschlag in dieser Gegend. Der ist vor allem unterschiedlich und nicht unter einen Hut zu kriegen. Die einen sind vor langer Zeit gegangen und kommen auf Besuch am Wochenende, andere kehren aus den alten Bundesländern zurück und nehmen
nach alter feudaler Familiengeschichte und Familientradition das bäuerliche Lebens wieder auf (siehe Film „Uckemark“ von Volker Koepp). Es bleiben die Alten, es bleiben zu einem größeren Teil Männer. Mufflig, gelangweilt, traditionell und maulfaul mit eigenem Uckermark – Dialekt. Es bleiben
auch ein verbreiteter Rechtsextremismus und Rassismus.

Trotz dieser Trostlosigkeit finden sich hier und da,in Neuruppin, Schwedt, Angermünde und Rheinsberg engagierte Jugendinitiativen und linke Kulturprojekte. Viele der Jugendlichen bleiben bis zum Abitur und bereichern durch ihr jahrelanges Engagement gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus für eine selbstbestimmte emanzipatorische Jugendkultur die Gemeinden ungemein.



Als eine kleine Reisegruppe zusammen mit dem expertbase - Bus haben wir uns im Juni 2004 für ein Wochenende in Rheinsberg einquatiert und wollen hier darüber
berichten.


Essen in und um Rheinsberg

Preiswertes Essen ist in Rheinsberg nicht zu finden, alles ist eher auf den bürgerlichen Mittelstand ausgerichtet.
In den Restaurants ist eine eichengetäfelte Innenaussattung vorherrschend. Aber glücklicherweise gibt es im Sommer fast überall Draußensitzplätze.
Auffällig ist, dass scheinbar keine Kneipe im Ort das rheinsberger Kronprinzenpils verkauft; so schlecht ist es ja nun auch nicht. Das kann ja nix werden mit dem Aufschwung Ost..
Tagsüber gibt es genug Eisdielen, der Ratskeller serviert auch um 22.00 noch warmes Essen.
Als Vegetarier sollte man sich zur Sicherheit ein Stullenpaket mitnehmen.
Fleischesser haben bezüglich der Auswahl keine Probleme. Ob „Fontanes Leibgericht“ oder „Wilddiebsteak“ , alle versuchen in einem historisch-touristentauglichen Kontext zu kochen.
Egal, Hauptsache es schmeckt.
Es gibt auch eine Asia-Imbissbude im Ort, nur 3 min vom Zentrum, die ist ganz ok.


Cafe Tucholsky

Adresse: Beim Jachthafen
Kategorie: Cafe mit Außenterasse
Angebot: warme Snacks, Kuchen, Kaffee und Milchgetränke, Eis, vegetarische Snacks.
Lecker!
Warme Küche bis 21.00
Preise: mittelteuer, gerade noch bezahlbar

Service: freundliche Bedienung
Tucholsky Informationen zur Unterhaltung

Wir haben gut Kaffee mit Baileys getrunken, leckere Kuchen aus dem Tagesangebot.
Inneneinrichtung sehr amerikanisch, aber schöner Blick auf den Hafen, besonders von der Terasse.

(getestet von stine, ruth, knut - Juni 2004)


Ratskeller

Wer teuer und bürgerlich essen will, sollte in den Ratskeller zu gehen.
Kategorie: Restaurant mit Galerie
Angebot: Bürgerliches Essen und Getränke, 4 vegetarische Gerichte (Kartoffelpuffer und Co.), Bier und viele Weine
Preise: Bier ab 3,20 €, Fleischgerichte um die 12 €
Wertung: vereinzelt lecker, Bedienung poppig bauchfrei, aber sehr zuvorkommend, Bier gut und frischgezapft

Gesamteindruck: gut, aber zu teuer.
Essen auch noch 22 Uhr bestellbar.
Ort: Eckrestaurant, zentral gelegen gegenüber dem Schloßeingang.

Irgendwie scheint es in Rheinsberg Pflicht zu sein, seine Kneipen innen mit Holz zu vertäfeln. Vielleicht kann man die Gemeindeordnung diesbezüglich noch mal verbessern.


The Roof(enklause) is on fire

Die erste Mittags-Station der Reiseführer Test-Crew war die Roofenklause.
Idyllisch gelegen im Wald hinter Menz, und auf Empfehlung des KKW- Führers.
Kann Essen das KKW Angestellte empfehlen gut sein? Hmm, na ja. Auf alle Fälle macht´s satt und so teuer war´s auch nicht.
Die Fleischfresser waren mit Hasenbraten und Wild recht zufrieden, bemängelten aber dass die Klöße aus dem Kochbeutel waren. Alle haben den Fisch sehr empfohlen, aber den haben wir nicht probiert.
Immerhin fanden sich vier vegetarische Gerichte auf der Karte, und auch unter den Vorspeisen waren auch ein zwei fleischlose Angebote.
Leider entpuppte sich die Gemüseplatte als aufgetautes Tiefkühlgemüse ohne Eigengeschmack. Aber die panierten Champignons waren lecker.

Preise: Fleischgerichte: zw. 8-12 €
vegetarisch: ab 4,60 €
Getränke: Kaffee/ Mineralwasser ab 1,30€

Für 93,80 sind 8 Leute gut satt geworden.

Besonders schön war ein Kaffeelöffel, wir erkannten ein Teil des klassischen Ost-Kinderbesteckes wieder. Den Suppenlöffel mit der Fliege auf dem Stiel.
Die Innenaustattung des Restaurants war stark durch Innenholztäfelung dominiert, aber bei schönem Wetter kann man draußen sitzen.

Anfahrt: In Menz Richtung Rheinsberg fahren, kurz vorm Ortsausgang nach rechts abfahren, zur Ferienhaussiedlung immer gerade aus zur Roofenklause. Parkplatz vorm Haus.


KernKraftWerk Rheinsberg

Mitte Juni 2004,
8.30 KKW Rheinsberg, Eingangstor.
Sechs Enthusiasten standen um 6.00 früh auf, um pünktlich eine Führung durchs KKW Rheinsberg zu beginnen.

Helmut Gruhle, Ingenieur des KKWs seit 1969, führt uns in die Geheimnisse des Druckwasserreaktors ein. Das KKW war eine gemeinsame Projektierung der DDR und der Sowjetunion.
Beginn der Bauzeit: 1957
Eingeweiht: 1966
Stillgelegt: 1990
70% der Technik stammten aus der DDR, 70 Megawatt Leistung,
zu DDR-Zeiten über 600 Beschäftigte, heute noch 200 Leute die mit dem Rückbau des Werkes beschäftigt sind.
Damit der größte Arbeitgeber der Region (ein Abrissunternehmen?!)
Und das noch bis 2011. Dann soll das KKW vollständig zurückgebaut sein.

Zwischenrechnung:
Projektierung und Aufbau: 9 Jahre
Laufzeit: 24 Jahre
Abriss: 17 Jahre

Rheinsberg war ein Lehr- und Versuchskraftwerk, mit „heißer Zelle“, laut Herrn Gruhle ungewöhnlich, aber nicht gefährlich. Hier wurde nie wirtschaftlich produziert. Mehrfach betont er die Sicherheit der DDR-Kraftwerke, ein Tschernobyl wäre niemals möglich gewesen, vor allem auch, weil das Rheinsberger Personal so extrem gut geschult war. Denn mit Kompetenz können Mängel ausgeglichen werden.

Dann stellen wir noch ein paar kompetente Fragen und gehen ins Kraftwerk.
Eine authentische Ost-Eingangshalle heißt uns willkommen. 70er Jahre Kachelstil.
Design Treppe. Dann beginnt der spannende Teil. Wir werden durch eine massive Gittertür gelassen, danach müssen Männer und Frauen getrennt in Umkleidekabinen.
„Sie müssen sich ausziehen“ „Wie?“ „ Na alles aus“ „??“
Wir bekommen formschöne Werksunterwäsche, orange Werkssocken, Overalls und weiße Hand- und Gummischuhe.

Durch eine Einpersonenschleuse geht’s ins wirklich Innere des Kraftwerkes.

Enge Gänge, Kabel und Rohre, hier kann niemand den Überblick haben. Herr Gruhle erläutert begeistert den Aufbau des Kraftwerkes und seine Besonderheiten gegenüber den neueren Modellen. Rheinsberg war das erste Kraftwerk, an allen späteren wurden die hier gewonnen Erkenntnisse umgesetzt. Das in Greifswald mit 4 Blöcken ging in den 70ern ans Netz und in 4 weitere waren im Bau oder in der Projektierung. In Stendal wurde an einem dritten Kraftwerk gebaut.
Das Rheinsberger Kraftwerk ist durchgehend in typischen Ostfarben gehalten, ein undefinierbares Grün und kantinengelb.
Dunkel und staubig. Wir gehen in den Reaktorraum. Da wird festgestellt, dass zwei Leute keine Dosimeter bekommen haben. Ratlosigkeit: „Da hätte der Strahlenschutz doch aufpassen müssen“ „Und nun?“ „Sie bleiben einfach dicht bei den anderen, dann können sie ja die Dosis wie bei den andern ablesen.“
Wir fühlen uns unwohl, aber weiter geht’s. Die Bedienung für die „Katze“ wird erläutert. Wir können von oben in den ehemaligen Reaktor sehen. Die letzten Brennstäbe wurden 2001 abtransportiert. Da waren wir auch dabei.
Herr Gruhle erklärt. Den Reaktor, die Dampftauscher, die Nadelrohre, erster und zweiter Kreislauf.
Beklemmend enge Gänge und dann stehen wir unterm Reaktor und dürfen ihn sogar anfassen. Nächste Woche kommt der Minister, und wir dürfen vorher rein. Der Rückbau wird auch bei oberster Stelle verfolgt. Wir sind versucht “Trittin ist doof“ an die Wand zu schreiben. Aber: wir mussten ja beim Eintritt alles abgeben. Schade.

Irgendwann sind wir aus den Tiefen des Werkes auch wieder oben. Um rauszukommen müssen wir nackt durch eine Kabine. „Näher an die Wand, umdrehen, 10,9,8 ... 3,2,1...nicht kontaminiert.“ Glück gehabt. Bei Kontamination muss man kalt duschen. Denn Unterschied zwischen Kontaminierung und Aktivierung hat Herr Gruhle eingehend erklärt. Die Unterwäsche dürfen wir nicht behalten.

Dann noch einen Rundgang ums Werk. Der Betriebsbahnhof wird nicht mehr gebraucht. Früher fuhren alle Arbeiter aus Rheinsberg mit dem Zug. Heute stehen die Autos von 200 Mitarbeitern auf dem Parkplatz vor dem Werk.
Die Zäune und Mauern wurden fast alle schon abgetragen. Aber man kann noch sehen, wo die Wache Streife lief.

Unser Rundgang ist zu Ende. 3 Stunden sind vorbei. Wir sind froh, dass dieses Monument fortschrittlicher DDR Technik fast verschwunden ist. Na ja, nicht alle von uns.

KKW Rheinsberg
Besichtigungen telefonisch erfrag- und buchbar unter: 033931-570, Herr Gruhle, Öffentlichkeitsarbeit

Offizielle Anschrift:
Energiewerke Nord GmbH
Betriebsteil Kernkraftwerk Rheinsberg
Am Nehmitzsee 1
16831 Rheinsberg


Kronprinzenpils-Brauerei Rheinsberg

Ein kleiner Ausflug nach Rheinsberg sollte gut vorbereitet sein. Schnell fündig werden geht unter: www.brauerei-rheinsberg.de.

Unkompliziert ist es möglich mit dem Braumeister einen Führung zu vereinbaren und bei deftiger Küche einen kurzen Abriss der Geschichte der "Kleinsten Brauerei Brandenburgs" zu erhalten.
Flexibel und freundlich gehen die wenigen Angestellten im Familienbetrieb auf die Wünsche der Gäste ein.
Während man zwischen den selbstgebrauten Biersorten (Dunkles, Helles Pils und Pils Natur, sowie Malz) und den wenigen, in der Regel fleischhaltigen Gerichten (vegetarisch sind der Salat, Gemüsesuppe und der "Brathering") wählen kann, erklärt der Braumeister Horst Mücke (Zitat:"Keine Sorge, ich steche nicht!") grundsätzliches zur Bierherstellung im Allgemeinen und zur Bedeutung für die Gesundheit und des Wohlergehens nach dem Biergenuss im Besonderen.
Nach diesen einleitenden Worten des Braumeisters wird schnell klar: entweder man findet sexistische Äußerungen gut oder hat ein dickes Fell, denn es wiederholen sich im Vortrag ständig frauendiskriminierende Äußerungen.

Neben dem Senior und dem Junior sowie den Angestellten im Gastronomiebereich, werden noch 3 Auszubildende in unterschiedliche