Ex-Bauamtsleiter baute schwarz

So kann es auch gehen:

Fichtenhöhe (MOZ) Ein ungewöhnlicher Antrag hat den Abgeordneten der Großgemeinde vorgelegen: Sie sollten zu einem Bauantrag zum Umbau eines Bienenhauses zum Wohnhaus Stellung nehmen. Fakt ist: Das Haus wird seit Jahren bewohnt. Gebaut wurde es im Außenbereich und faktisch schwarz durch den früheren Bauamtsleiter des Amtes Seelow-Land und langjährige Niederjesarer Bürgermeister Helmuth Schneider.

Eigentlich sollte es ein Bienenhaus werden, erklärte Helmuth Schneider seinen Abgeordneten-Kollegen im Fichtenhöher Gemeinderat, als es um den Tagesordnungspunkt "Stellungnahme zu einem Antrag auf Baugenehmigung zum Umbau eines Bienenhauses zum Wohnhaus" im Ortsteil Niederjesar ging. Doch dann habe ihm der Seelow-Länder Amtsdirektor Herbert Blanke 1996 seinen Bienenwagen geschenkt - und das Bienenhaus war nicht mehr nötig. "Und da haben wir es dann Stück für Stück vergrößert", erklärte der langjährige Niederjesarer Bürgermeister, der sich am 6. November dieses Jahres zur Wahl als Bürgermeister der Großgemeinde gestellt hatte, im Gemeinderat mit Unschuldsmiene. Ein Antrag auf Baugenehmigung oder Nutzungsänderung wurde damals nicht gestellt. Nur auf eine Erweiterung als "Stall".

Dabei hätte es Schneider besser wissen müssen. Schließlich war er der erste Bauamtsleiter des Amtes Seelow-Land. Wenn auch nur für reichlich zwei Jahre, vom September 1992 bis Ende 1994. Dann wurde das Arbeitsverhältnis "beendet", wie es aus der Amtsverwaltung hieß.

Schneiders Abgeordneten-Kollegen zeigten jedenfalls Verständnis und befürworteten den Antrag einstimmig. Immerhin wohnt Schneiders Sohn seit zehn Jahren in dem schmucken "Bienenhaus".

Für das kreisliche Bauamt liegt der Fall nicht ganz so klar. Denn: Das Grundstück liegt im Außenbereich. Als Bürgermeister hatte Helmuth Schneider jahrelang verbittert mit Kreis und Land gerungen, um die so genannte Scholle, die an der Straße zwischen dem geschlossenen Ortskern und der B 167 liegenden Grundstücke - darunter seines - in den Innenbereich zu bekommen. Vergebens.

"Wir halten uns an die Gesetzeslage, unabhängig von Rang und Namen", betonte Baudezernent Michael Bonin, der auf Anfrage den Eingang von Schneiders Bauantrag bestätigte. Und auch die Festlegung, "wer schwarz baut, zahlt die doppelte Bearbeitungsgebühr", finde auf den Niederjesarer Fall Anwendung, so der stellvertetende Landrat. Aufgefallen war der Schwarzbau übrigens bei Vermessungsarbeiten zur Aktualisierung des Katasters.

Montag, 05. Dezember 2005 (17:32)


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